Konzerte & Party

Max Raabe & das Palastorchester im Admiralspalast

Max Raabe und das Palastorchester

Unlängst hat Max Raabe mal wieder kostenlose Werbung bekommen. Die US-Schauspielerin Julianna Margulies schwärmte in der David-Letterman-Show in höchsten Tönen von dem Berliner Chansonsänger. Sie ist nicht der einzige prominente Fan des Sängers mit der eleganten vorjahrhundertlichen Aura; und auch längst nicht die einzige Anhängerin im Ausland, wo Raabe und sein Palastorchester inzwischen als erfolgreichster deutschsprachiger Musik-Export seit Rammstein gelten. Kein anderer Sänger erfasst den feinen Humor der Liedkomponisten der Weimarer Ära so intuitiv wie Raabe. Das erkennen auch Zuhörer in New York oder London, auch ohne genau zu verstehen, worum sich seine Zeilen genauer drehen.
Die Texte aber haben für den Sänger zuletzt an neuer Bedeutung gewonnen. Das mit Annette Humpe geschriebene Überflieger-Album „Küssen kann man nicht alleine“ markierte einen Wandel: Statt der Aneignung von Originaltexten verlegte sich Raabe gänzlich auf eigene Texte mit Referenzen an die Jetztzeit – ob Knut, Brad Pitt, Physiotherapie oder ICE. Passend auch, die klassische Fülle des Palastorchesters herunterzuschälen und Humpes Synthie-Klänge ins Zentrum zu rücken.
Auf dem Nachfolger knüpft das Duo eng an die Erfolgsmischung an. „Für Frauen ist das kein Problem“ wirkt zwar nicht mehr ganz so überraschend wie der Vorgänger – besitzt dafür aber ein nachgereiftes Selbstbewusstsein der entspannten Art. Das Klangbild wirkt nochmals reduzierter, die Songs sind insgesamt kürzer – nicht eine Textzeile kommt identisch zweimal vor, nicht mal in den Refrains. Herrlich unschuldige Sing-alongs wie „Ich schlaf am besten neben dir“ finden sich neben rührenden Einsamkeitsstücken, selbst über den Tod singt Raabe in kaum zweieinhalb Minuten mit weiser Ironie nach Art Erich Kästners. Hits schließlich wie das Titellied oder der witzige Ohrwurm „Kleine Lügen“ werden in den kommenden Monaten unentrinnbar sein.
Was die Erfolgsaussichten des Albums angeht, so scheint sich Max Raabe seiner Sache ziemlich sicher zu sein. Mit seinem Palastorchester hat er vorsorglich – wie unlängst im November – den Admiralspalast gebucht; diesmal allerdings gleich an stolzen 16 Abenden hintereinander. Mit seinem Weltstar-Status geht Raabe inzwischen so selbstverständlich um wie mit Smoking und Fliege.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Gregor Hohenberg

Max Raabe & Das Palastorchester, Admiralspalast, Do 7.–So 24.11., 20 Uhr (So 18 Uhr), VVK: 45,80 Euro – 81,65 Euro zzgl. Gebühren, Karten-Tel. 01805 / 57 00 70

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