Konzerte & Party

Maximilian Hecker im Lido

Maximilian Heckertip Kurz vor Weihnachten konnte man dich, wie zu deinen Anfängen, am Hackeschen Markt spielen sehen. Bitterkalt war es …
Maximilian Hecker … stimmt, es war wahnsinnig kalt. Da dachte ich auch: Okay, das ist jetzt wirklich zu hart für diese Sache. Ich habe aber zwei, drei Stunden durch­ge­halten. Es macht dann doch immer viel Spaß. Meine Musik klingt nirgends so gut wie bei der Straßenmusik, in diesem halb öffentlichen Raum.

tip Ist es nicht frustrierend, wenn die Leute handytelefonierend vorbeihetzen, während du singst?
Hecker Im Gegenteil, genau darum geht es. Auf der Bühne habe ich generell fast nie gute Gefühle, was meine Musik angeht. Aber auf der Straße, wenn die Leute an dir vorbeigehen, gibt es so ein virtuelles Über-Ich. Wenn dann plötzlich welche stehen bleiben vor mir, höre ich wieder auf. Sonst ist so ein Erwartungsdruck da. Den kann ich auch auf der Bühne haben. Da fühle ich mich eingeschränkt. Diese Einschränkung versuche ich zu bekämpfen – das gelingt mir eben am besten auf der Straße. Oder wenn ich Demos aufnehme. Da ist der Kanal zur Seele frei, sozusagen.

tip Anders als im Tonstudio?
Hecker Bei Demo-Aufnahmen nimmst du ja schon bald, nachdem du das Lied gemacht hast, die Idee auf. Du verewigst den kreativen Prozess, während man im Studio häufig versucht, das zu reproduzieren. Und das klappt natürlich nicht. Studio hat nun mal nichts mit Gefühl zu tun, leider.

tip Mit dem Album bist du dennoch glücklich, scheint es.
Hecker Schon. Aber ich denke, es fehlen noch ungefähr zehn Prozent, die drin wären, wenn ich mich frei fühlen würde in den entscheidenden Momenten.

tip In Asien ist „One Day“ schon erschienen. Dort wirst du als Popstar verehrt. Was findest du eigentlich sonderbarer? Wenn es in Hongkong Poesiealben mit deinem Konterfei zu kaufen gibt – oder wenn die Leute am Hackeschen Markt kaum Notiz von dir nehmen?
Hecker Ich finde es ja, wie gesagt, toll, wenn sie vorbeigehen. Ich liebe auch Konzerte, bei denen keiner zuhört. Neulich habe ich in der Bar Tausend gespielt, da war es so. Ich dachte: Wie geil, dass ihr nicht zuhört! Jetzt kann ich endlich machen, was ich will. Die Euphorie in Asien fühlt sich auf der anderen Seite gar nicht so besonders an. Ich bin keiner, der sowas auskosten kann.

tip Wir wird man als Berliner in Asien zum Star ?
Hecker Erstmal war mir das alles sehr fremd. Aber dann gab es eine Art Initialzündung, als ich zum ers­ten Mal in Taiwan war. Das dortige Label hatte ein paar lokale Stars zu meinem Konzert eingeladen. Da hat man sich kennengelernt, Freundschaften geschlossen. Wenn du Kontakt hast zu den Leuten, kannst du auch eine Verbindung zum Land oder zu einer Stadt aufbauen. Auf einmal war ich, nun ja, verliebt. In die Frau übrigens, von der auch der erste Song des Albums handelt und die in Taiwan gerade ein Cover von mir als Single rausbringt. In dem Jahr, 2006, war ich zwei Mal in Taipeh. Da war ich dann jeweils so weit weg, dass ich ganz befreit war von diesem Über-Ich, um den Begriff nochmal einzubringen. Ich hatte eben heilige Gefühle …

Lesen Sie das vollständige Interview in tip 08/09 auf Seite 68.

Interview: Ulrike Rechel

Foto: Benjamin Child 

Maximilian Hecker, Lido, Do 2.4., 21 Uhr, VVK: 16,50 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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