Kommentar

„Maybe, Baby“ von Stefan Hochgesand

Nicht mal ich würde ans Telefon gehen, wenn eine unbekannte Nummer aus Schweden auf dem Display steht. Wozu auch? Es bringt immer nur Stress und Ärger, wenn jemand was von einem will und man sich noch nicht die richtige Strategie zum Kontern überlegt hat.

Stefan Hochgesand

Jedenfalls meinten Freunde von mir kürzlich, ich würde „den Dylan machen“. Eine halbe Sekunde fuhr mein Ego Achterbahn auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten – im Wahn, ich hätte womöglich eine kluge Metapher in einem Artikel verwandt, die nebenbei diverse Anspielungen auf B-Seiten von Blues-Platten und das alttestamentarische Buch Hiob enthielten. Natürlich war das ziemlich genau gar nicht gemeint. Sondern dass ich nicht ans Telefon ginge und mich, wenn doch, rausreden würde. „Stefan, wir haben diese coole Tischtennisparty organisiert, kommst du?“ – „Ach ja, mal schauen.“ – „Stefan, nächste Woche ist XY-Motto-Party, das wird lustig“ – „Ich habe andere Verpflichtungen.“ Geburtstag von dem-und-dem? „Ich schicke notfalls jemand vorbei, der mein Geschenk bringt und ein Lied singt.“ Glutenfreie  Kekse backen? „Falls ich gerade zufällig auf dem Kontinent (wahlweise: „in Kreuzberg“) bin.“
Hieß dieses treulose Jeinsagen nicht kürzlich noch FOMO (fear of missing out)? Dieses Berlin-Ding, weil man jeden Abend 200 andere Sachen machen könnte. Macht Dylan FOMO famous und Nichtkommen nobel? Nee. Mit mehr beherztem Jasagen wäre Berlin ein besserer Ort, ich würde drauf wetten, bedingungslos.

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