Global Pop

Mayra Andrade spielt im Gretchen

Meeresrausch: Mayra Andrade hat ihren kapverdischen Sound Einflüssen aus aller Welt geöffnet

Naïm De La Lisiere

Man hatte fast nicht mehr mit ihr gerechnet. Schon gut fünf Jahre ist es her, dass Mayra Andrades letztes Album erschien – aber nun stellt sich heraus: Es war zum Glück bloß eine Pause! „Manga“, das neue Werk der in Havanna geborenen Sängerin, erscheint Anfang Februar.

Die Tochter kapverdischer Eltern orientiert sich an jener zugleich lebenslustigen und wehmütigen Folklore der Inselgruppe, die einst die Sängerin Cesária Évora berühmt gemacht hatte. Auch Parallelen zum sehnsuchtsvollen portugiesischen Fado entdeckt man in diesem Sound. Mayra Andrades Debütalbum „Navega“ aus dem Jahr 2007 handelte vom bangen Warten einer Fischersfrau, die nicht weiß, ob und wann ihr Mann zurückkommt. Zur Illustration ihrer Worte schwappte der Rhythmus wie der Gang der Wellen. „Der Ozean hat bei uns eine wichtige Bedeutung. Als Brücke zur Welt, aber auch als Gefängnis, weil wir von ihm umschlossen sind“, sagt Mayra dazu. Ihre poetische Ausrichtung gefällt den Pop-Juroren: „Navega“ wurde 2007 von der Deutschen Schallplattenkritik in die Bestenliste aufgenommen. Passend zu ihrem Faible für den weiten Ozean gab sie 2010 im Kurzfilm „Das Rauschen des Meeres“ ihr Schauspieldebüt.

Mit der Zeit ist Mayras Musik internationaler geworden, was kein Wunder ist, schließlich hat die Sängerin an vielen Orten der Welt gelebt. Von ihren Aufenthalten in Afrika, Portugal, Kanada oder Frankreich erzählt ihr Sound, der nun auch von Reggae, dem Tropicalismo des Brasilianers Caetano Veloso und von angloamerikanischem Folk beeinflusst ist. Als Vorbote der neuen Platte „Manga“ erschien die Single „Afeto“, die einen lässig steppenden Beat und afrikanisches Gitarrenspiel mit Andrades entwaffnender Natürlichkeit verbindet. Da schwingt man mit, als wiege einen der Ozean im sanften Rhythmus.

Gretchen Obentrautstr. 19–21, Kreuzberg, Fr 4.1., 20.30 Uhr, VVK 25 €

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