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MC Fitti im Interview

MC Fitti

Absurde Texte, schlechte Reime, tröge Vortragweise. Sachlich betrachtet, ließ sich der Hype um den Berliner Spaß-Rapper nicht wirklich erklären. Doch mit seiner Yolo-Attitüde und seiner komödiantischen Art kriegte er sie alle. Auf seinem zweiten Album setzt MC Fitti seine Geilon-Sause fort, verfeinert seine Kunstfigur aber gleichzeitig um neue Facetten. Neben Trash findet man dort auch Tiefgang.

tip #Geilon ist gerade mal ein Jahr alt und schon gibt’s den Nachfolger. Hattest du Angst, dass man dich vergisst?
MC Fitti Ja, da hab ich schon dran gedacht. Ich steh als Internetphänomen da. Wenn ich jetzt erstmal ein Jahr weg bin, wird das mit der Aufbauarbeit schwierig. Ich war halt auch so drinne, ne? Ich wusste, wie alles läuft.

tip Im Promotext steht, deine neue Platte atme den Geist der 60er Jahre. Hat deine Agentur das Album mal gehört? Also Woodstock Sound kann ich da nicht hören.
MC Fitti Was steht da? (nimmt sich den Promo-Text). Naja, das Hippie-Gepiesige ist schon vertreten. Geilon ist ja einfach so entstanden, batz batz. Und jetzt dachte ich, machste doch mal einen Leitfaden: Peace-Zeichen, Blumenkränze, Batik. So, wie unsere Eltern früher gefeiert haben.

tip Wie haben die denn gefeiert im Vergleich zu uns heute?
MC Fitti Die haben sich frei gefühlt, die haben locker gemacht. Da gab‘s nicht so einen Stress. Da hat nicht immer das Handy geklingelt. Wenn dann das Haustelefon, also bei Hauspartys, und dann ist irgendwer dran gegangen, der da gerade im Flur stand und hat gesagt „Jaja, wir rufen zurück“ und bumm wieder aufgelegt.

tip Auf Peace gibt’s noch mehr politische Themen. Da war ich ganz überrascht. In „Arbeit macht Bock“ prangerst du die ganzen Überstunden an, die wir heutzutage schieben.
MC Fitti Ich hab natürlich schon darauf geachtet, dass ich mich weiter entwickele; die Texte ein bisschen weiter ausfeile, mehr Story dahinter packe. Wir wollten nicht, dass es wieder so billig rüber kommt. Natürlich trotzdem immer auf locker. Ein bisschen lustig, ein bisschen trashig, ne?  Hits und Brummer eben.

tip Deine Rap Skills haben sich echt verbessert. Kompliment.
MC Fitti Ich hab versucht, da fortgeschrittener ranzugehen. Nicht so 1, 2, 3, sondern so 1, 3, 2, 4. Ein bisschen schneller und rhythmischer. An manchen Stellen hab ich aber bewusst ein paar Dinger reingesetzt, die sich nicht reimen, so als Running Gag, ne? Das ist schon gut durchdacht, das Album. Bei den Texten saß ich auch länger und hab geschaut, welche Wörter man austauschen könnte, damit es besser flowt.

tip Für mich ist deine neue Platte ja Comedy pur. Meine Lieblingszeile: „Ich like das Internet leer. Du wohnst noch zu Hause, gehst pennen mit deinem Teddybär. Ich penn nie zu Hause.“
MC Fitti Ja, die ist geil. Mir gefällt meine Schlussline in „Hauptsache Gold“ ziemlich gut: „Du denkst, es ist Silber, aber es ist Weißgold“. Oder in „Lagerfeuer“: „Ich häng hier ab mit Winne-one, Winnetou“.

tip Gibt’s einen Comedian, der deinen Humor geprägt hat?
MC Fitti Ich find Olaf Schubert ganz cool. Oder Helge Schneider. Bei seinen Filmen hab ich mich immer bepisst. Ich finds gut, wenn Leute einfach machen. Wie Otto zum Bespiel. Der ist halt der Ottifant. Das ist halt sein Ding.

tip Ist es schwer, auf locker zu machen, wenn man doch eigentlich mit ganz schön viel Beflissenheit an seiner Karriere bastelt?
MC Fitti Klar hat man eine große Verantwortung. Man hat ein Team um sich herum, das man nähren muss. Es wird auch viel an einem gezehrt. Sonst hat man immer von heute auf morgen gelebt und jetzt plant man ziemlich weit voraus. Ich muss jetzt schon den Namen für meine Tour nächstes Jahr festlegen, weil wir in Promo gehen müssen. Dabei weiß ich doch gar nicht, wie ich dann drauf bin. Man entwickelt sich ja weiter. Nachher entscheide ich mich jetzt für „Grüner Apfel“, dabei ist „Roter Apfel“ viel geiler.

Text: Henrike Möller

Foto: Wikimedia/ Achim Raschka

MC Fitti, Peace (Styleheads)

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