Konzerte & Party

ME im Comet

MELondon ist geliebt und gehasst bei jungen Bands: In der teuren Stadt wird man bekanntermaßen schnell gefeiert, aber noch schneller vergessen; dennoch ist die Anziehungskraft magisch. Luke Ferris und seine Band ME zögerten jedenfalls nicht, im Sommer 2010 ihre Heimatstadt Melbourne gegen London einzutauschen. Das Vertragsangebot des Labels King Lizard lockte, das einst The Killers entdeckte. Seither dokumentiert das blutjunge Quartett seinen Aufenthalt, postet hübsche, wackelige Filmchen auf Youtube, beispielsweise vom Ausflug zum Headley-Grange-Anwesen, wo einst Led Zeppelin ihre Alben aufnahmen. Von ungebremster Begeisterung für große Meister ist auch das Debütalbum „Even the Odd Ones Out“ geprägt: Es explodiert schier vor exzentrischen Manövern und Referenzen an The Beatles bis Muse, besonders aber an Queen.

Gesanglich turnt Goldkehle Ferris entsprechend gern durch die Oktaven und über Damian Tapleys Gitarrenriff-­Salven hinweg. Das klingt zwar nicht so gottgleich wie Mercury; doch oft sind es genau die Unebenheiten im aufgekratzten Fantasia-Rock von ME, die den Charme ausmachen. Auf der Bühne sind die seit Jahren live spielenden Australier voll in ihrem Element – und das ohne Bühnen-Gimmicks oder Spandex-Anzüge. Auf dem Album prägen sich dagegen eher Songs ein, die abseits der Bombast-­Rezeptur liegen, wie das von Akustik-Gitarre und hippieseligen Chören gesäumte „Dutch Medi­cine“ oder die Doo-Wop-gefärbte Ballade „Their Song“: kleine Nebenpfade, auf die es für ME auf dem Weg zur Eigenständigkeit künftig gehen könnte.

Text: Ulrike Rechel

ME + My Secret Playground Comet, Di 19.3., 21 Uhr, VVK: 12 Ђ zzgl. Gebühr

Mehr über Cookies erfahren