Konzerte & Party

Me, My Self(ie) And I – Nummer 4: Geheimnisse

Jackie A.

Überall Seifenblasen. Sie fliegen über unsere Köpfe in die Baumkronen und zerschellen an den Türen eines „Trabant“-Wracks. Ein Mittdreißiger schüttet sich ein Päckchen Brausepulver in den Rachen und ruft: „Geil!“  Eine junge Frau gestikuliert über Sitzbänke,  die Backen voll mit süssem Speck.
Später wird es noch Starkregen geben- so, dass die weissen Ballerinas auf dem Nachhauseweg total dreckig werden…aber der Mond!  Der prangt groß und orange über uns…
In dieser Nacht sind alle ein bisschen besoffen von Brausepulver und innerer Aufruhr, die die Preisgabe von Geheimnissen aus alten Tagebüchern so mit sich bringt. Todesmutig lesen wir uns beim „Tagebuchsalon“ gegenseitig vor. Theo hat einen Brief mitgebracht, denn er vor 13 Jahren einem Mädchen schickte, die er wiederum 3 Jahre zuvor in Taizй kennengelernt hatte. Der Brief war damals als unzustellbar zurückgekommen. Heute, nach all den Jahren, öffnet er ihn… großer Moment! Miriam liest Texte, verfasst als 15- Jährige. Frivoles, unverschämtes Zeug eines Teenagers aus der Hölle – unfassbar gut. Am Ende rufen wir: „Zugabe, Zugabe!“. Ich berichte über meinen ersten (und bald auch letzten) LSD-Trip, eingenommen als junge Arbeitslose an einem recht langweiligen Nachmittag in der ersten eigenen Wohnung in Lichtenrade. In dieser Phase trug ich Lackstiefel, die übers Knie ragten und mein über 70-Jähriger Vermieter brüllte mir auf dem Weg zum Technoclub manchmal ein heiseres „Nutte“ hinterher… Die guten alten Zeiten! Es geht noch um versteckte Festplatten in Internatsschränken und erfolglose Bewerbungsschreiben, wie als „Meerjungfrau“ für das Aquarium des Berliner Zoos. Wir wollen jetzt gar nicht mehr aufhören zu lesen, fliegen durch die Nacht. Ähnlich, wie Münchhausen auf seiner Kanonenkugel, reiten wir auf Seifenblasen, nur das unsere Geschichten Wahrheiten sind. Bald schon wird es keine Tagebücher mehr geben. Das Leben wird auf Facebook und Twitter dokumentiert. Auch das kann unterhaltsam sein. – Allerdings, eine dramaturgisch entscheidende Zutat fehlt mir doch sehr: ein Geheimnis!

 

Zuletzt: Drei Worte ans Handy.

Jackie: „Sprich mit mir!“

Siri: „Ich finde es besser, wenn Du mir was erzählst.“

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Jackie A. liest Jackie A. – Der Podcast: Me, my Self(ie) and I – Folge 4


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