Konzerte & Party

Megapuss – Surfing

Musiker gehen gerne fremd. In diesem Jahr war das beson­ders oft so, es gab eine wahre Nebenprojektschwemme. Nach Little Joy, The Last Shadow Puppets, Scars On Broadway und The Week That Was gibt es nun auch den ersten Arbeitsnachweis von Megapuss. Hinter dem bewusst aufgeilenden Konzept verbergen sich Neo-Folkie Devendra Banhart und Gregory Rogove von der Band Priestbird, und „Surfing“ (Vapor Re­cords/Rough Trade) zeigt ihre Lust auf Auseinandersetzung mit ungezwungener Körperkultur. Es ist ein wahres Attentat auf Prüderie und Bürgerlichkeit, bei dem aber auch nachdenkliche Momente nicht zu kurz kommen.

Zuerst ahnt man nichts Böses, denn das Album beginnt mit einem entspannten Soul-Track. Bei „Crop Circle Jerk ’94“ geht aber nicht alles brav mit rechten Dingen zu – gemeint ist eine Party, bei der alle im Kreis sitzen und sich genüsslich einen herunterholen. „Adam & Steve“ erzählt mit wenigen Wor­ten und unterstützt von einem Gitarrenriff frei nach Geor­ge Michaels „Careless Whisper“ die Geschichte von zwei Gigolos. In „Theme From Hollywood“ geht es darum, wie viel Spaß man dort haben kann – oder auch nicht. „Too much fun in Hollywood“ klingt ironisch und nach Abgrenzung von der Welt, in die sich Banhart während seines Techtel­mech­tels mit Natalie Portman kurzzeitig begeben hat. „Laven­der Blimp“ preist den dicken Hintern eines Heteros, der ein bisschen auf Frau macht, und leitet hervorragend in die Ansage über, dass man es mit dem Präsidenten, der Regierung und den Steuern doch bitte anal treiben möge. Damit das niemand falsch versteht, heißt es auch: „Fuck Enron, fuck Exxon, fuck homophobes in the asshole.“ Perfektes absurdes Thea­ter, mit einem musikalischen Gruß an den verstorbenen Bo Diddley versehen.

Übertrieben, albern oder doof werden Apologeten von künstlerischem Ernst das womöglich finden. Locker bleiben. Megapuss haben ein paar tolle Songs zwischen Donovan und Ween im Programm, die sie durchgängig mit viel Lo-Fi-Charme darbieten. Und einen berühmten Fürsprecher wissen sie auch an ihrer Seite: „Surfing“ erscheint auf dem Label von Neil Young.     

Text: Thomas Weiland

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