Konzerte & Party

Mehr Mainstream

Hagen LiebingKönnen Sie sich noch daran erinnern, als „Bild“-Chef Kai Diekmann anno 2003 einen Tag lang die „Taz“-Redaktion übernahm? Oder als die Knalltüten vom Quatsch Comedy Club als Blattmacher beim „Berliner Kurier“ weiter Quatsch machten? Das führte dann stellenweise schon zu originellen Ergebnissen.
Ähnliches hatte man vielleicht auch erwartet, als letzen April das Redakteurs-Karussell bei den Musikzeitschriften ordentlich ins Rotieren geriet. Ein „Rolling Stone“-Redakteur wurde Chef bei der „Spex“, und ein Ex-Spexler übernahm den Chefposten beim „Rolling Stone“. Und seither weiß man nun wirklich nicht mehr genau, wer denn nun wo gelobt werden wird: Neil Young und Lana del Rey in der „Spex“? Grimes und Jessica Ware im „Rolling Stone“? Im Zweifelsfalle kommt es dann manchmal sogar anders als man denkt. Das ist schön.
Umso langweiliger wird es aber, wenn nun gleich beide Magazine mit einem Tocotronic-Titel explizit Besitzansprüche am Diskurs-Pop anmelden wollen. Die Kanzlerin würde sagen: „Das ­Titelthema war einfach alternativlos.“ Ich meine: So kündigt sich ein neuer Mainstream an. In der Musik und in den Medien. Ach ja, und unsere ­Tocotronic-Story finden Sie übrigens auf Seite 66 der aktuellen tip-Print-Ausgabe!

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Foto: Harry Schnitger/tip

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