Konzerte & Party

Melody Gardot im Admiralspalast

Melody GardotRuhig thront sie auf einem Hocker wie eine kleine Königin. Die blonde Mähne ist zum Dutt verquirlt, zum schwarzen Outfit trägt sie eine dunkle Sonnenbrille und roten Lippenstift. Die freien Beine werden von weitmaschigen Netzstrümpfen zart bedeckt und hochhackigen Schuhen perfekt abgerundet. So sieht es aus, wenn sich Melody Gardot zurechtmacht, in diesem Falle für die britische Musiksendung „Later“. Eine neue Femme fatale, ist man im ersten Moment geneigt zu denken. Doch genau diesen Fehler sollte man nicht machen. Das Ganze hat schon seinen Sinn. Die Sängerin hat stets eine Sonnenbrille und einen Gehstock dabei, weil sie infolge eines schweren Fahrradunfalls, der sechs Jahre zurückliegt, lichtempfindlich und in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt ist.
Vor dem Unfall spielte Gardot am Piano Stücke anderer Interpreten in den Bars von Philadelphia. Auf dem Krankenbett brachte sie sich erst das Gitarrenspiel bei, dann begann sie mit dem Schreiben eigener Songs. Welche Fortschritte sie gemacht hat, kann man auf dem Album „My One And Only Thrill“ hören. Die Musik ist so zerbrechlich wie Gardot selbst. Man hört sinnliche Jazzballaden für späte Stunden, die zur Auflockerung mit einem Touch Soul und Anflügen von Pop versetzt sind. Die unterschwellige Düsternis und das kribbelige Gefühl in den Songs erzählen die Geschichte authentisch gelebten Leidens. Vermuten Sie also keine gefällige Hintergrundmusik. Und erwähnen Sie bloß nicht Norah Jones!

Text: Thomas Weiland

Melody Gardot, Admiralspalast, Fr. 24.9., 20 Uhr, VVK: 30-60?Euro

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