Konzerte & Party

The Men im White Trash Fast Food

The Men

Bevor Hardcore zum Genre wurde, war „Hardcore-Sein“ eine Weltanschauung. Dies erklärt die eigenwillige Wandlung des Brooklyner Quintetts The Men auf ihrem fünften Album „Tomorrow’s Hits“. Eigentlich hätte man schon mit dem Vorgänger gewarnt sein können. Damals fiel in Interviews mit Nick Chiericozzi, dem Kopf der Band, und dem 2011 hinzugestoßenen Ben Greenberg, so etwas wie der Spiritus Rector des neuen The-Men-Sound, verdächtig oft der Name Tom Petty – eher ungewöhnlich für eine Band, die ursprünglich dem Punk-Kontinuum aus frühem SST-Sound (Black Flag, Minute-men, Meat Puppets) und der Dissonanz-Schule von Sonic Youth entstammt. Auf „New Moon“, das die amerikanische Musikpresse relativ einhellig als bestes Rockalbum 2013 abfeierte, machte sich eine leichte Ungeduld bemerkbar, dem engen Schema aus mächtig rotierenden Gitarrenwänden, arschtretend schlingernden Lärmattacken und dem jugendlichen Sturm-und-Drang des Hardcore zu entkommen. Mit „Tomorrow’s Hits“ treten sie nun den Beweis an, dass „hardcore“ bloß eine Frage der Einstellung ist. Die Einflüsse von Tom Petty, Bob Seger, Neil Young und Lynyrd Skynyrd („Classic Rock“, wie böse Zungen behaupten würden) dominieren mit unglaublicher Lässigkeit und einer bewundernswerten Autorität Songs wie „Dark Waltz“ oder „Another Night“, das einen Verve wie der junge Springsteen zur „Greetings from Asbury Park, N.J.“-Phase entwickelt. Da Chiericozzi & Co im Herzen aber immer noch Hardcore sind, gehören The Men momentan zu den aufregendsten amerikanischen Live-Bands.

Text: Andreas Busche

The Men + Könsförrädare, ?White Trash, Do 20.3., 20 Uhr, VVK: 10 Euro zzgl. Gebühr

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