Konzerte & Party

Mercury Rev im PBHF-Club

Mercury Rev

Was musste passieren, damit eine Band wie Mercury Rev ganze sieben Jahre lang nichts von sich hören ließ? „Die Frage ist eher“, lachen Sänger Jonathan und Gitarrist Sean „Grasshopper“, „gibt es überhaupt irgendwas, was in dieser Zeit nicht passiert ist?“ Aber turbulent ging es bei den Experimentalrockern ja seit Ende der Achtziger zu. Drei Leute aus der Startbesetzung sind nicht mehr dabei. „Das waren verrückte, turbulente Jahre damals“, sagt Jonathan, „Manche davon dunkel, selbstzerstörerisch. Einige von uns mussten da raus – um ihr Leben zu retten, im wahrsten Sinn des Wortes.“
„Bands / those funny little plans / that never work quite right“ heißt es in Mercury Revs Song „Holes“, der ihnen 1998 den Durchbruch brachte. Er sagt viel über die Band aus. Damals haben sie Teile der Songs, die ihnen besonders wichtig waren, auf 35mm-Film aufgenommen, einem Material das eigentlich fürs Kino gedacht war, später für Fotos. „Cinematic Psychedelic“ nennen Mercury Rev deshalb auch ihre Musik. „Wir haben ja nicht als Rockband begonnen“, sagt Jonathan, „am Anfang saßen wir vor dem Fernseher und spielten unsere Soundtracks zu Natur-Dokus“. Heißt er darum Grashüpfer? Grasshopper nickt ertappt.
In einem Song der neuen Platte geht es darum, dass man zum ersten Mal seit langer Zeit wieder eine Regentag-Platte kaufen müsse. „Elliott Smith oder The Dream Syndicate etwa.“ Sie meinen es ernst. Wer zu den beiden in den Tour-Bus steigt, sieht, dass sie sogar dort ihren Vinyl-Spieler mit an Bord haben. „Alles ist doch ein Instrument im ganzen Kosmos“, sagt Jonathan. „Hier auf der Toilette im Hotel spielen sie Delfin-Gesang.“ Manchmal sampeln sie so was und bauen es in die Songs. „Das ist Teil der Avantgarde-Seite von uns!“ Holzbläser und manchmal einfach Klänge, die sie im Gebirge aufnehmen. Grasshopper schwärmt von fragilen Marimbas und sieht dabei trotzdem wie ein Rock’n’Roller aus. Das können nur Mercury Rev.

Text: Stefan Hochgesand

Mercury Rev, PBHFCLUB, Straße der Pariser Kommune 8, Friedrichshain, Mi 11.11., 20 Uhr, VVK: 20 Euro zzgl. Gebühr

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