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Konzerte & Party

„Metal Hammer“-Chefredakteur Thorsten „Zacke“ Zahn im Gespräch

Thorsten tip Während in der Zeitschriftenbranche Krisenstimmung herrscht, meldet der „Metal Ham­mer“ steigende Auflagen. Liegt das daran, dass sich wieder mehr jüngere Hörer für Metal interessieren als vor zehn oder 15 Jahren?
Zacke Ja, absolut. Das merkt man auch da­ran, dass es so viele neue Bands gibt. Ich mache den Job jetzt seit zehn Jahren und stelle gerade in letzter Zeit fest, dass es immer neue Strömungen mit immer jüngeren Leuten und immer bunteren T-Shirts gibt. Das sieht man auch auf den Festivals: Beim Summer Breeze waren 30.000 Leute, die meisten davon zwischen 16 und 25. Bei den Festivals kann man auch beobachten, wie sich das Publikum aufteilt: Bei alten Klassikern ist das Publikum 30 plus, und die Teenager rauschen zu den jungen Bands.

tip Woher kommt diese neue Begeisterung? In den 90ern war Metal doch so gut wie tot.
Zacke Das würde ich so nicht sagen. Anfang der 90er haben sich die jungen Leute dem Grunge zugewendet, weil das für sie Rebellion bedeutete, heute ärgern sie ihre Eltern eben mit Death Metal und Grindcore-Geknüppel. Der Grund dafür ist der gleiche wie vor 50 Jahren: Heftige Gitarrenmusik polarisiert immer noch arg, und man kann sich damit von der breiten Masse abgrenzen. Das ist beim HipHop nicht anders.

tip Der „Metal Hammer“ scheint bei seinen großen Themen eher aufs Bewährte zu setzen …
Zacke Das ist schon richtig. Der Metal-Fan an sich ist halt sehr treu. Das, was er schon kennt, mag er am liebsten. Und wenn eine Tour von einer Riesenband wie AC/DC oder Metallica ansteht, dann geht er natürlich hin, erstens, weil er die Musik mag, und zweitens, weil er Angst hat, dass die Band vielleicht zu letzten Mal auf Tour geht.

tip Nun muss der „Metal Hammer“ zusammen mit den anderen Musikzeitschriften des Axel Springer Verlags, dem „Musikexpress“ und dem „Rolling Stone“, nach Berlin ziehen. Fällt euch der Umzug in die Metal-Diaspora schwer?
Zacke Natürlich gibt es ein paar Läden wie Paule’s Metal Eck, Halford oder K17, aber es stimmt schon: Berlin ist alles andere als eine Metal-Hochburg und steht eher für Hip­Hop und Electro. Wir werden versuchen, das zu ändern.

tip Wie soll das gelingen?
Zacke Das weiß ich noch nicht so genau. Vielleicht ist es auch gar nicht so wichtig, ob wir unser Heft in München, Dortmund oder Berlin machen. Meistens ist es aber so, dass sich das Umfeld automatisch ein bisschen verändert, wenn ein Heft in einer neuen Stadt heimisch wird. Vielleicht werden wir Club-Abende und Konzerte organisieren, wie wir es in München auch machen, wo wir ein gutes Standing haben.

tip Worauf freut ihr euch am meisten?
Zacke Auf gute Currywurst und eine Dönerbude an jeder Ecke.

tip Fällt dir eine vernünftige Metalband aus der Hauptstadt ein?
Zacke Das ist nicht so schwer: Rammstein. Subway To Sally, die diesen komischen Raab-Preis gewonnen haben, hatten wir auch mal auf dem Titel. War From a Harlots Mouth … Also, es gibt schon ein paar gute Bands, die spielen aber am liebsten woanders. Bis auf Rammstein, die füllen auch in Berlin viermal hintereinander die Hallen. Aber die könnten auch auf dem Mond spielen, und es würden 10.000 Leute kommen.

tip Wo zieht ihr denn genau hin?
Zacke Das ist noch nicht so ganz raus, aber es scheint auf Kreuzberg hinauszulaufen, an den Mehringdamm oder in die Bergmannstraße. Zumindest nicht ins Haupthaus des Verlags, so viel ist sicher.

tip Da würdet ihr auch ein wenig aus dem Rahmen fallen.
Zacke Ach, ich hätte mich schon darauf gefreut. Das wäre doch ganz lustig, so als schwarze Fraktion in der Verlagskantine…

tip Euer neuer Herausgeber ist Dr. Ulf Poschardt, der als ehemaliger Chefredakteur der „Vanity Fair“ in Berlin kein Unbekannter ist und den man doch eher als Popper bezeichnen würde. Gibt es schon Hinweise darauf, wie er die redaktionelle Linie des „Metal Hammers“ beeinflussen wird?
Zacke Gibt es schon Hinweise … das klingt ja wie bei „Aktenzeichen XY“. Dr. Ulf Poschardt möchte weder inhaltlich noch gestalterisch etwas verändern, das hat er uns zumindest so gesagt. Ich weiß, dass er eine schillernde Figur ist, aber er war schon in der Redaktion und hat sich vorgestellt, und das war alles sehr nett.

tip Kann er mit eurer Musik etwas anfangen?
Zacke Er sagt: Ja, und er ist ja eigentlich auch ein alter Rocker. Ich bin mir nicht sicher, ob er Bands wie Immortal oder Nattefrost kennt, aber die muss er dann halt kennenlernen.

Interview: Heiko Zwirner

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