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Metallica Sänger James Hetfield im Interview

Foto_von_Jens_Bergertip Die allgemeine Neugier, was Ihr neues Album betrifft, wird erst dann richtig verständlich, wenn man weiß, dass der Vorgänger „St. Anger“ 2003 unter sehr großen zwischen-menschlichen Problemen und mit dem Beistand eines Psychologen entstanden ist. Ein Umstand, der bestens in dem Film „Some Kind of Monster“doku­men­tiert wurde. Kommen Sie nun wieder miteinander klar?
James Hetfield Der Film war ein wunderbarer Spiegel für uns. Er zeigt auf, wie eine Band im Begriff ist, sich selbst zu zerstören. Der Zusammenbruch eines Menschen vor der Kamera ist ja eine Sache, für die es kein Drehbuch gibt. Wenn ich mich grausam schlecht fühle, dann winke ich ja niemanden herbei und sage: „Hey, filme mich.“Es begann ganz simpel damit, uns beim Einspielen der Platte zu beobachten, und endete schließlich in etwas viel Wichtigerem.

tip Was hat Sie denn damals so entzweit?
Einer der großen Bandkiller ist das Ego und der Umstand, dass Leute irgendwann nicht mehr miteinander klarkommen. Wir haben das überwunden. Das heißt nicht, dass so was nicht mehr passieren kann, aber wir haben nun die Mittel, damit umzugehen. „Death Magnetic“sind die Früchte all der Arbeit, die wir in „St. Anger“ steckten.

tip Drummer Lars Ulrich hat in diesem Film einen bösen Wutanfall, bei dem er Ihnen schließlich aufgebracht „Fuck“ins Gesicht brüllt. Hat er sich jemals dafür entschuldigt?
Hetfield Das ist eine der Szenen im Film, die ich mir selbst heute noch nicht locker ansehen kann. Ich weiß gar nicht, ob er sich entschuldigt hat. Ich glaube nicht. Aber wir haben später darüber gesprochen, und ich habe ihm gesagt: „So was kannst du exakt ein einziges Mal machen. Und diesen Blankoscheck hast du jetzt aufgebraucht.“

Foto_von_Anton_Corbjintip Die Texte entstanden damals unter Mithilfe aller, in regelrechten Kreativsitzungen. Wie war das nun bei „Death Magnetic“?
Hetfield Das war diesmal ganz anders. Ich habe sie rausgeschmissen aus meinem Keller und mich ganz allein in mein tiefes, dunkles Loch zurückgezogen, um ein paar Texte hervorzubringen. Und das fühlte sich auch sehr gut an. Bei „St. Anger“war sicher sehr wichtig, dass wir uns gegeneinander geöffnet haben. Aber ich fühlte jetzt schon den Drang, das zu singen, was aus mir selbst herauskommt. Nicht, dass die Sachen von den anderen schlechter wären, aber es fühlte sich für mich einfach besser an, die eigenen Dinge zu singen.

tip Dabei ist viel vom Tod die Rede. Wie halten Sie es selbst mit dem Sterben? Würden Sie gerne richtig alt werden oder doch lieber aufhören, solange der Körper noch mitmacht?
Hetfield Gute Frage. Ich denke, ich sterbe, wenn es eben so sein soll. Ich will das nicht forcieren. Das habe ich sicher in meinem früheren Leben zur Genüge getan – den Prozess der Vergänglichkeit zu verschnellern. Und das ist auch ganz genau, was „Death Magnetic“ für mich bedeutet – nicht viele Leute denken gern an den Tod, ich tue es halt. Und dabei fasziniert mich, dass es – wie bei einem Magneten – eine Seite gibt, die dich anzieht, und die andere, die dich weg­drückt. Warum werden manche Leute richtiggehend hingezogen zum Tod? Umgekehrt macht den Tod doch erst der Umstand gruselig, dass keiner richtig darüber reden will.

tip Metallica sind mittlerweile Familienväter, Sie selbst haben drei Kinder. Fühlen Sie da keine Verantwortung, wenn Sie solch düstere Texte schreiben?
Hetfield Meine Verantwortung ist es, einen guten Song zu schreiben. Oder meinen Sie, ob ich nun vorsichtiger mit den Inhalten bin?

tip Ja.
Hetfield Ich habe schon bemerkt, dass das Fluchen für mich nicht mehr so wichtig ist wie früher, das Scho-ckierende daran hat schon abgenommen. Aber ansonsten versuche ich immer noch so tief wie möglich zu gehen. Ich versuche Gefühle auszudrücken. Und ich denke nicht, dass ich meine Kinder oder andere Menschen damit zu etwas anstifte, sondern einigen vielleicht das Gefühl gebe, dass sie nicht allein sind mit ihrem Innersten.

Das vollständige Interview finden Sie im tip 19/08

Interview: Anja Caspary

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