Konzerte & Party

Metronomy im Astra

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Joseph Mount (zweiter von rechts) spielt mit Metronomy bügelfaltenscharfen Elektro-Pop

Die Grafschaft Devon im Südwesten Englands gehört nicht unbedingt zu den Gegenden, die man mit Musikern assoziiert. Dabei finden sich dort Coldplays Chris Martin, die Mitglieder von Muse und Joss Stone. Immer öfter muss man aber auch an den aus Totnes stammenden Joseph Mount denken. Was er mit seiner Band Metronomy vor drei Jahren unter dem Namen „The English Riviera“ in die Welt gesetzt hat, ist eines der besten britischen Pop-Alben der jüngeren Zeit. Gefeiert wurde es auch in Berlin. Das für eine Weile letzte Konzert der Band fand im September 2012 frühmorgens in der Arena in Treptow statt und gehört zu den Veranstaltungen, die man nicht so leicht vergisst. Auch deshalb, weil die Kernmitglieder Mount und Oscar Cash von Bassist Olugbenga Adelekan und Schlagzeugerin Anna Prior perfekt flankiert wurden. Es hörte sich toll an und sah fantastisch aus.

Der inneren Stimme gehorchen

Danach hat Mount nicht den Fehler vieler anderer Musiker gemacht, das Erfolgsrezept mithilfe eines renommierten Produzenten und höheren Budgets bemüht weiterzuführen. Er hat lieber seiner inneren Stimme gehorcht. „Bei mir ist es so, dass ich schon am Ende der Aufnahmen zu einem Album weiß, in welche Richtung das nächste gehen wird. Von dieser Idee lasse ich mich nicht abbringen, auch nicht durch unerwartet gute Reaktionen und viel Hype. Beim letzten Mal hatte ich das Gefühl, dass ich nach den Aufnahmen viel zu lange am Computer gesessen habe. Deshalb wollte ich die Stücke jetzt in einem Zug schreiben, komplett arrangieren und dann aufnehmen. Ich hatte keine Lust mehr auf Nachbearbeitungen.“ Für das neue Album „Love Letters“ buchte er die Toe Rag Studios im rauen Londoner Stadtteil Hackney, wo schon The White Stripes, The Kills oder Holly Golightly zu Gast waren. Dort steht nur ein 8-Spur-Rekorder zur Verfügung. Mount findet das gut, er wollte den Metronomy-Sound ja ins analoge Zeitalter zurückverlegen. Er hat in Pressemeldungen The Zombies und Sly & The Family Stone als aktuelle Einflüsse erwähnt.

Man darf bei „I’m Aquarius“ aber auch an The 5th Dimension, im Titelsong an The Beach Boys und mehrmals an die unvermeidlichen Beatles denken. Es gehe Mount aber nicht darum, ausgetretene Pfade zu beschreiten. „Als ich mit dem Musikmachen anfing, habe ich ständig die Beatles und Kinks gehört. Diese Bands sind für britische Musiker automatisch ein Bezugspunkt, sie gehören zum Kulturerbe. Aber ich halte es für problematisch, wenn man sich zu sehr an sie klammert. Man sollte schon selbstbewusst sein und das ganze Ding vorantreiben. Zum Beispiel durch elektronische Musik, die heute einfach dazugehört. Wenn die Leute Metronomy hören, sollen sie selbst nach Aufnahmen im Toe Rag merken, dass wir im 21. Jahrhundert angelangt sind.“

Nur nicht privat werden

Ein großer Patriot, für den die Heimat alles bedeutet, ist Mount nicht. Devon liegt für ihn momentan weit weg. Sein Ablauf sieht so aus, dass er sich in London mit allem beschäftigt, was mit der Entstehung der Musik zu tun hat. Wenn er fertig ist, setzt er sich in den Eurostar und fährt nach Paris, wo seine Freundin und sein ein Jahr alter Sohn leben. Der Albumtitel „Love Letters“ bringe aber keineswegs Freude über das Familienglück zum Ausdruck. „Wenn ich mich als Künstler in meiner Arbeit auf so etwas Privates beziehen würde, wäre das der Gipfel der Banalität. In ‚Isn’t She Lovely?‘ von Stevie Wonder etwa steckt absolut nichts von Belang. Mit diesem Song zeigt er bloß Fotos von einem Baby. Das geht doch gar nicht.“

Text: Thomas Weiland

Foto: Gregoire Alexandre

Metronomy Astra, So 6.4., 20 Uhr, ausverkauft

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