Konzerte & Party

MIA. in der Columbiahalle

MIA.

Auf die Frage hin, ob ihr Juroren-Job in Deutschlands schlimmster Casting-Show MIA. in musikalischer Hinsicht beeinflusst habe, antwortet Mieze wie aus der Pistole geschossen: „Nein! Nein! Nein!“ Doch wie das oft so ist, wenn es darum geht, sich selbst objektiv zu betrachten, irrt die MIA.-Frontfrau. „DSDS“ hat auf den Songs ihrer aktuellen EP hörbare Spuren hinterlassen. Ursache-Wirkungs-Geflechte auseinanderzuzwirbeln ist zwar immer ein heikles Unterfangen, es scheint jedoch so, als habe Miezes Ausflug in die inszenierte Fernsehwelt die Band im Nachhinein derart angewidert, dass sie ihren Sound kurzerhand von jeglichen Klebrigkeiten und aufgesetzten Sentimentalitäten befreit hat. Auf ihrer aktuellen Single „Nein! Nein! Nein!“ poltern MIA. endlich wieder rotzig, wild und hemmungslos drauflos. Statt wattigen, eingängigen Synthie-Klängen herrscht ein kantiger, unbequemer NDW-Elektro-Pop, der durch Miezes wütendes Geschrei sogar eine leichte Punk-Attitüde bekommt.
Dass „DSDS“ in MIA. einiges losgetreten hat, beweist auch das zugehörige Video. Mieze und ihre Bandkollegen treten darin verkleidet als bekannte Künstler wie Cro, Amy Winehouse und Kurt Cobain vor eine Jury, die jedoch alle Teilnehmer rigoros ablehnt. Trotz der offensichtlichen Parallele zu „DSDS“ streitet Mieze allerdings ab, dass der Clip als Abrechnung mit Bohlen und Co zu verstehen sei. „Zuerst war der Spaß am Lied ‚Nein! Nein! Nein!‘. Dann kam die Lust, dazu ein Video zu drehen, das uns beim Anschauen genauso zum Lachen bringt wie beim Machen. Schnell war die Idee zur ‚Nein! Nein! Nein!-Show‘ geboren“, erzählt sie. Ob versteckter Diss oder nicht: Selbst der Text lässt sich problemlos als Reaktion auf Miezes Erfahrung in der Welt der Casting-Shows interpretieren. In den Lyrics rechnet sie mit Leuten ab, die immer alles besser wissen und ihr in alles reinreden. „Nein! Nein! Nein! Das ist nicht gut für dich. Nein! Nein! Nein! Denn das gefällt mir nicht. […] Ich mein es gut mit dir und will doch nur das Beste für dich“, heißt es dort. „Man braucht ein dickes Fell und es ist wichtig, bei sich zu bleiben, aber trotzdem im entscheidenden Moment nicht – völlig beratungsresistent – einen tatsächlich nützlichen, sinnvollen Ratschlag zu überhören“, sagt die MIA.-Frontfrau.
Der Tipp ihres Labels, noch in diesem Jahr ein neues Album zu veröffentlichen, scheint an MIA. auf jeden Fall abgeprallt zu sein. Im Sommer hatte die Band einen Release für den Winter angekündigt – selbst der Name stand schon fest: „Excess All Areas“ sollte er heißen – nun begeben sich Mieze und Co aber ohne frische Songs im Gepäck auf „United States Of Ich & Du“-Tour. „Ein Album macht man nicht auf Knopfdruck. Wir jedenfalls nicht. Schöpferische Arbeit ist unordentlich und nimmt keine Rücksicht auf Abgabetermine und solange wir denken, dass das Album noch nicht fertig ist, wird auch kein Album veröffentlicht.“ Die Single-Vorboten lassen jedenfalls die Hoffnung aufkommen, dass MIA. auf ihrer neuen Platte zu ihren elektrisch-ekstatischen Anfängen zurückkehren werden. Dieter Bohlen sei Dank.

Text: Henrike Möller

Foto: H. Flug / Universal Music Germany

MIA., Columbiahalle, Columbiadamm 13-21, Tempelhof, Fr 12.12., VVK: 39,25 Euro ?zzgl. Gebühr

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