Jazz-Pop

Micatone im Privatclub

Nach fünfjähriger Pause verarbeiten Micatone das Ende einer Freundschaft

Foto: Dovile Sermokas

Fünf Jahre sind seit dem letzten Micatone-Album vergangen – in Popmusikmaßstäben eine halbe Ewigkeit. „The Crack“ ist nun das erste Album in der fast zwanzigjährigen Geschichte der Berliner Electro-Jazz-Pioniere, das Multiinstrumentalist und Produzent Boris Meinhold und Sängerin Lisa Bassenge als Duo geschrieben haben. Bassenge hatte in der Zwischenzeit mit „Wolke 8“ (2013) und „Canyon Songs“ (2015) ihre Solokarriere vorangetrieben, Meinhold widmete sich ganz dem Darkpop-Trio Ann & Bones.

Auch „The Crack“ war eigentlich gar nicht geplant. Ursprünglich sollten nur drei Songs als EP erscheinen. „Aber unser Label sagte, macht doch bitte gleich ein ganzes Album“, erinnert sich Meinhold. „Lisa und ich sind dann spontan ins Studio gegangen, und irgendwie hat es sich zu zweit gut angefühlt, weshalb wir es dabei belassen haben.“ Bassenge ergänzt: „Das heißt natürlich nicht, dass die anderen Musiker austauschbar sind, aber vom Songwriting her sind Micatone auf diesem Album tatsächlich nur wir beide.“

„The Crack“ erzählt die Geschichte eines langen ­Abschieds, verbunden mit der Hoffnung auf einen Neuanfang. Bassenge, die hier für alle Texte im Alleingang ­verantwortlich zeichnet, verarbeitet die Erfahrung, dass ein langjähriger Wegbegleiter ihr von heute auf morgen nicht nur die Zusammenarbeit, sondern auch die Freundschaft gekündigt hat. Wenn Bassenge Zeilen wie „You lost a lover / I lost a friend“ singt, ist es für sie, „als würde ich ihm einen Brief schreiben – auch, wenn er ihn wahrscheinlich nicht lesen wird“. Verpackt ist der Brief in ein Cover des Award-gekrönten Grafikdesigners Sven Lindhorst-Emme. Es zeigt den zerrissenen und kunstvoll wieder zusammengesetzten Band-Namenszug. Symbol dafür, dass Entzweigegangenes nicht spurlos zu heilen vermag, aus den Einzelteilen aber etwas Wunderschönes, Neues entstehen kann.

Privatclub Skalitzer Str. 85-86, Kreuzberg, Sa 6.1., 20 Uhr, VVK 15 €

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