Konzerte & Party

Micatone und Miss Kenichi im Admiralspalst

Micatone„Ich bin dann mal weg, Mami“, lautet das Motto des Abends, und in der Tat dürfte das auf Mitternacht angesetzte Weihnachtskonzert für viele eine willkommene Zäsur familiärer Feierlichkeiten sein. Doch – seit Micatone bei ihrem gediegenen Soul-Pop fast ganz auf elektronisches Beiwerk verzichten, liegen die Berliner nicht mehr allzu weit weg von den Hörgewohnheiten der Elterngeneration: ein bisschen Randy Crawford, ein bisschen Tina-Turner-Ballade, und wenn es mal funky werden soll, sogar mit einem Schuss Mother’s Finest (sic!) versehen.
Den Kurs zum Handgemachten, der bei einer Formation mit so hohem Jazzmusikeranteil schon immer nahelag, zeigten bereits die „Nomad Songs“ von 2005 an. Das vierte Album ist zum Frühjahr angekündigt, aber davor erscheinen noch aus aktuellem Anlass gleich zwei Versionen des Wham!-Klassikers „Last Christmas“ auf einer Vinyl-Single. Erst in Slow-Mo-Wüs­tenrock-Manier mit stilvoll klagender Slide-Gitarre, dann als tanztauglichere Doo-Wop-Hommage. Leider interpretiert Sängerin Lisa Bassenge beide Varianten auf recht patzige Weise. Nun ist Lisa Bassenge schon bei anderen Projekten (u.a. Nylon) oft besser beraten gewesen, auf ihre Eigenkompositionen zu vertrauen. Und so darf man darauf hoffen, dass in der Nacht zum ersten Weih­nachts­feiertag ein paar würdige „Nomad Songs“-Nachfolger erklin­gen werden.
Text: Markus von Schwerin

Micatone + Miss Kenichi
im Rahmen des Weihnachtsabends
„Ich bin dann mal weg, Mami“, Admiralspalast, Saal 101, Mi 24.12., 24 Uhr, VVK: 12 Ђ

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