Konzerte & Party

Am Mittwoch: DAF im K17

Bis heute haben DAF, die Deutsch-Amerikanische Freundschaft, in der Geschichte der deutschen Popmusik einen Son­derstatus. Wie sonst allein Kraftwerk und Can ist es der Band gelungen, einen hiesigen Popdialekt zu entwickeln. Gabi Delgado und Robert Görl erkundeten die Ambi­valenzen einer maskulinen Gefühlswelt zwischen Gewalt und Liebe, zwischen militärischer Un­terordnung und schwuler Abweichung und entwickelten daraus extrem klare und elektrisierende Songs. Später gelang es Görl und Delgado wie wenigen Mitgliedern stilprägender Bands, sich nicht vom Erfolg von DAF dominieren zu lassen.

Anders als The Cure oder die Toten Hosen sind sie nie zu Markenzeichen geworden. Die Geschichte der Band ist voller Brüche und Diskontinuitäten: Ihre drei Erfolgsalben „Alles ist gut“, „Gold und Liebe“ und „Für immer“ sind innerhalb von eineinhalb Jahren 1981 und ’82 entstanden. Nach der Trennung 1986 kamen Delgado und Görl nur noch sporadisch zusammen: 1986 nahmen sie zusammen mit einem weiteren Album das schöne „Brothers“ auf, 2003 „Fünfzehn neue DAF-Lieder“, die aber aufgrund einer Umstrukturierung beim Plattenlabel etwas untergingen, worauf sich Görl und Delgado erneut trennten.

DAF waren durchaus Wegbereiter, was elektronische Musik angeht, wurden aber nur sehr beschränkt als solche gewürdigt. Vielleicht passte ihr Interesse an Männlichkeit, Männerbünden und Schwulsein nicht zum Spaßimperativ des Techno der 90er Jahre. Görl erklärt diese mangelnde Beachtung auch mit der fehlenden Bereitschaft DAFs, sich etwa anders als Kraftwerk auf ein bestimmtes Image zu beschränken. „Der Gabi und ich, wir werden nie die Erfüller des Konzepts sein“, erklärt Görl. Für Delgado und ihn war es immer wichtig, an einem bestimmten Punkt neu anzusetzen. DAF trennten sich zum ersten Mal am Höhepunkt ihres Erfolges, vor ihrer ersten Amerika-Tour.

Görl veröffentlichte danach ein Synthie-Pop-Album mit Vocals von Annie Lennox, das die Fans des martialischen, polemischen DAF-Sounds vor den Kopf stieß. Den kommerziellen Erfolg wollten die beiden jedoch sowieso nie als Bemessungsgrundlage nehmen: „Wir sind so ein bisschen Spieler, der Gabi und ich. Die Trennung zu diesem Zeitpunkt habe ich nie bereut.“ Später haben sich sowohl Delgado wie Görl ganz unmittelbar mit Techno auseinandergesetzt, Görl produzierte über die gesamten 90er hinweg vier Alben.

Der Impuls zur dritten Neugründung von DAF kam aus der ostdeutschen EBM-Szene, in der DAF wie kaum eine andere Band verehrt wird. DAF sollten auf einem Festival im vergangenen Sommer auftreten. Görl berichtet: „Ich habe denen gesagt, Gabi kann ich nicht so schnell an den Start bringen. Mit Thoralf Dietrich von Jäger 90, der sich in seinem Gesang stark an DAF anlehnt, habe ich für diese Party die DAF-Party entwickelt, daraus ist dann DAF-Partei geworden.“ Dort begegnet Görl oft jugendlichen Fans, die ganz in seiner Musik von 1981 leben: „Wenn ich vor Jugendlichen stehe, auf deren Lederjacke ,DAF‘ steht, fällt mir meistens nichts ein. Klar ist das schmeichelhaft, mich macht es aber eher schüchtern.“ Für Görl ist das dreißigste Jubiläum einer Band etwas Besonderes: Es steht für eine große Reife, gleichzeitig ist man noch unberührt vom Kräfteschwinden des Alters. Zu dem Anlass erscheint zum ersten Mal eine DAF-Best-of-Kompilation, die die beiden selbst zusammengestellt haben. Perspektivisch wollen sie auch wieder gemeinsam ins Studio gehen, dafür muss sich aber noch etwas zusammenbrauen: „Um DAF-Songs zu schreiben, brauchen wir einen hohen Energie-Input. Ohne das nötige Level erreicht zu haben, treffen wir uns erst gar nicht.“

Text: Karin Deckner & Alexis Waltz

DAF
K17, Mi 7.1., 20 Uhr, VVK: 23 Ђ

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