Konzerte & Party

Samstag: Mick Harvey im Roten Salon

Mick Harvey

War es Zufall, dass nach dem Ausscheiden bei Nick Cave and the Bad Seeds 2009 ein Album über Krieg, PJ Harveys „Let England Shake“, und eins über Tod, „Sketches from the Book of the Dead“, folgten? Nach 30 Jahren gemeinsamen Weges, begonnen 1978 mit Boys Next Door, später The Birthday Party? Mick Harvey war eigentlich unersetzlich, musikalischer Direktor, Manager, Multiinstrumentalist, Schaffer all jener entrückender, bedrückender Atmosphären, die den Sound der Band so psychogen, aber auch so geerdet sein ließen, einen Gitarristen wie Blixa Bargeld möglich machten. Aber Mick Harvey ist ein Mann der Interaktion. Immer hatte er Nebenprojekte, Crime and the City Solution, Lydia Lunch, Die Haut, Robert Forster, Rowland S. Howard, Paul Kelly und immer wieder PJ Harvey. Dazu diverse Soundtracks und Produktionen. Seine Verehrung von Serge Gainsbourg führte Mitte der Neunziger zu ersten Soloalben, seine Interpretationen der Songs von Tim Buckley, Jeffrey Lee Pierce, Bill Withers oder Guy Clark sind beseelt. Zögerlich traute er sich auch mit eigenen Songs aus der Deckung, „Four (Acts of Love)“ heißt sein neuestes, sechstes Werk; Romantik nicht ohne Humor. Wenn er „Wild Hearts“ von Roy Orbison von der großen Geste und all dem Pathos befreit, dann kommt seine Spezialität durch: das unverfälschbare Gefühl. Und darum gehts, sagt er. Seine Konzerte sind filigran und intensiv, er ist ein ungekünstelter, konzentrierter Performer.

Text: Christine Heise

Mick Harvey, Roter Salon, Sa 18.5., 21 Uhr, VVK: 16 Euro zzgl. Gebühr

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