Konzerte & Party

Mijo Biscan im Schokoladen

Mijo_Biscan_Promo_Pic_LargeManchmal ändert sich für Menschen plötzlich so ziemlich alles. Bei Mijo Biscan passierte es, als seine Beziehung nach neun Jahren in die Brüche ging. Um damit umzugehen, packte der Songschreiber aus Melbourne seine Tasche und buchte ein Ticket ans andere Ende der Welt. In Island mietete er ein abgeschiedenes Häuschen, nahm die Gitarre in die Hand, schrieb Songs. Australien und Neuseeland hat der Mann, den dortige Indie-Fans als charismatischen Kopf der Hippie-Folktruppe Lamplight schätzen, seither hinter sich gelassen, und damit auch die Band. Heute ist Biscan in Berlin zu Hause und hat sich hier einen festen Platz in der international besetzten Community um Singer/Songwriter- und Wohnzimmerkonzerte erspielt. Hier hat der Frühdreißiger auch seine erste Solo-CD eingespielt, abseits der gewohnten üppigen Folk-Umrahmung. Auf „14 Hours In A 4am-Freezer“ verlässt er sich ganz auf die eigene Stimme, auf die Akustikgitarre und – wieder mal – einen besonderen Ort: die Villa Elisabeth in der Invalidenstraße. Der herrschaftliche Tanzsaal mit seinem Holzparkett hüllt Biscans voll klingende Stimme in warmen, resonanten Hall. Statt an hübschen Lo-Fi-Charme, denkt man an klassischen Folkrock der Spätsechziger und ernste Gefühlsmänner wie Loves Arthur Lee. Die Songs erzählen auch von der Auszeit auf Island: Die Inspiration zu „Oh Raven“ etwa lieferte Biscan ein Krähenpärchen vor dem Fenster – rarer Besuch in der Einöde und allein daher schon eine faszinierende Begegnung, wie sich der Songwriter heute amüsiert erinnert. Bei „Trapped Fox“ mit seinem spannungsvoll tastenden Anfang auf der Akustischen meint man, ein Echo des Klassikers „Babe, I’m Gonna Leave You Now“ zu hören. Vielleicht hat es Biscan auf den Lippen gehabt, als er seinerzeit im Flieger saß Richtung Reykjavнk.

Text: Ulrike Rechel

Mijo Biscan + „Our Blanket Skies“, Schokoladen, Mi 8.2, 19 Uhr, AK: vor Ort erfragen

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