Konzerte & Party

Misia im Tipi

misiaMisia, die sich den Namen einer Pariser Muse und den Look einer Coupletise aus den Zwanzigern zugelegt hat, ist die schillerndste Erneuerin des portugiesischen Fado. „Der Fado“, behauptet die Sängerin selbstbewusst, „ist weiblich; die Frauen singen ihn besser, weil sie den Schmerz, die Tragödie oder einfach die Lebenszyklen besser zum Ausdruck bringen können.“ Dem zollt ihr zehntes Album vollständig Tribut: „Senhora da Noite“ – Dame der Nacht – versammelt Lieder, die ausschließlich aus der Feder von Dichterinnen stammen und Misia auf den Leib geschrieben wurden.

Längst hat Misia die klassische Instrumentierung des Fado durch Violine, Kontrabass, Akkordeon und Klavier erweitert. Jetzt will sie die Frau aus ihrer tradierten Rolle als Muse befreien. Dabei verkörpert die schöne, ultramoderne Fadista mit ihrer gekanteten schwarzen Frisur vor allem eines: lusitanische Coolness. Das Rouge ihrer Lippen will im blassen Teint ihres Gesichts nicht so recht aufglühen. Doch Misia, die sich in einer strengen Ikonographie des Fado gefällt, sorgt auf jedem ihrer Konzerte für Überraschungen. Früher oder später taut selbst Madame Noir auf: Konturen von Schwermut, Frohlocken im Jammer, Verzweifeln im Glück – das musikalische Helldunkel namens „Saudade“ soll schließlich nicht nur Frauen zum Seufzen bringen.     

Text: Roman Rhode

tip-Bewertung: Fanveranstaltung

Misia
Tipi, Di 8. bis Do 10.2., 20 Uhr, VVK: 28–38 Ђ

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