Konzerte & Party

Mit Stromgitarren gegen den Strom: AC/DC im Olympiastadion

AC/DC

Für den Rock’n’Roll war der 19. Februar 1980 ein schwarzer Tag. Es war der Tag, an dem Bon Scott, Sänger der australischen Strom-Rock-Formation AC/DC, nach einem Party-Exzess in der vorherigen Nacht in einem Londoner Krankenhaus offiziell für tot erklärt wurde. Pathologischer Befund und monumentale Rocklegenden-Mythos-Moment-Aufnahme in einem: die alkoholbedingte Erstickung am eigenen Erbrochenen. Ein Schicksalsschlag, der für andere Bands außerhalb eines verbleibend verklärenden Legenden-Vermächtnis wohl nur noch eines bedeutet hätte: das sichere Aus. Aber AC/DC waren und sind nun mal nicht wie andere Bands. Ende 1973 vom Gitarren-Brüderpaar Angus und Malcolm Young ins Leben gerufen, war der Sound der nach Australien emigrierten Sprösslinge einer schottischen Familie schon damals nicht gerade dem wahlweise glamourösen oder progressiv-verspielten musikalischen Zeitgeist der Siebziger geschuldet. Doch erst als Bon Scott im Folgejahr das Mikro von Gründungsmitglied-Sänger Dave Evans übernahm, hatte die Band ihren prägenden wie bis heute einprägsamen Stil gefunden. AC/DC besonnen sich auf die Urkräfte des basischen Blues, schnörkellos, aber ebenso direkt und energiegeladen aufgepeppt, hemdsärmeliger Hard Rock eben für den hart verdienten Feierabend-Soundtrack im Pub um die Ecke.
AC/DCEin Debütalbum sollte nicht lange auf sich warten lassen. 1975 erschien in Australien der treffend „High Voltage“ betitelte Album-Einstand der Band, deren Name sich vom fünften Kontinent alsbald buschfeuerschnell in die internationalen Weiten der Rock-Welt verbreiten sollte. Mit nicht minder programmatischen Nachfolgewerken wie „T.N.T.“, „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“, „Let There Be Rock“ und „Powerage“ untermauerten AC/DC ihren Erfolg weltweit und trotzten dabei musikalischen Trends wie der aufkommenden Punk-Bewegung genauso wie den Kritikereinwänden, immer wieder dasselbe Album aufzunehmen, mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht und dem nächsten puristischen Powerchord im Anschlag. Wer konnte 1979 schon ahnen, dass „Highway To Hell“ für Sänger Bon Scott sein letztes Album und selbsterfüllende Prophezeiung zugleich werden würde?

Fotos: Taylor Crothers

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