Schlandrock

MM Westernhagen in der Mehrzweckhalle am Ostbahnhof

Wild Wild West: Westernhagen lieferte den Soundtrack einer Mofajugend auf Minze

Jörg Steinmetz/ Virgin-Records

Wer Ende der 70er-Jahre in der westdeutschen Provinz aufwuchs und nach unpeinlicher deutschsprachiger Popmusik suchte, hatte keine große Auswahl: Schlager war tabu, Lindenberg abgetakelt. Die Liedermacher­gilde nervte mit politischer Missionierung, die Mundartrocker hat man nicht verstanden und Punk steckte noch in den Kinderschuhen. In dieser kulturellen Ödnis konnte einem Marius Müller-Westernhagens „Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz“ 1978 tatsächlich wie eine Erleuchtung vorkommen.

Dass es bereits das vierte Album eines fast 30-jährigen Künstlers war, hörte man dem kompetenten Blues- und Boogierock nicht an, und dass die Texte viel öfter witzig sein wollten, als sie es tatsächlich waren, ist einem erst im Rückblick klar geworden – meine Güte, wir haben uns damals ja auch über Otto kringelig gelacht.

Stücke wie der Titelsong „Mit 18“ oder „Dicke“ mit dem bei „Hotel California“ geklauten Gitarrensolo waren der Soundtrack zu einer sich rebellisch anfühlenden Mofajugend. Der spätere Westernhagen, der mit „Freiheit“ 1990 die Feuerzeughymne zur Wiedervereinigung schrieb, hat uns nicht mehr so interessiert. Die Erfolgsplatten der 90er, als Westernhagen neben Grönemeyer der Inbegriff des Deutschrockers war, auch nicht. Doch mit knapp 70 ist der gebürtige Düsseldorfer noch in beachtlicher Bühnenform, wie sein „MTV Unplugged“-Livealbum von 2016 bezeugt, mit dem er aktuell auf Tour ist.

Mercedes Benz Arena Mühlenstr. 12, Friedrichshain, Fr 24.8., 20 Uhr, 40–123 €

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