Konzerte & Party

Moby im Heimathafen Neukölln

Dieser Moby war mal ein ganz schöner Schlawiner. Er debütierte als eine Art Vorturner, hüpfte zur Rave-Hymne „Go“ wie ein Heinzelmännchen auf E herum und verbreitete damit an­steckend gute Laune. Wenig später mutierte er zum Nerd, der andauernd seinen Stil ändert. Es machte ihm überhaupt nichts aus, sein Heil in der Ruhezone des Ambientsounds zu suchen und dann abrupt in den Radauraum des Hardcore-Punk zu wechseln. Irgendwann war man sich nicht mehr sicher, was als Nächstes kommen würde. Das machte den Reiz dieses Musikers aus. Doch dann kam der Erfolg und mit ihm die Langeweile. Nach „Play“ stieß man bei Moby nur noch auf sphärischen Klingklang und trippig-melancholische Gefälligkeit. Höhepunkt des Sturzes in die Bedeutungslosigkeit war das Album „Hotel“, ein grausam anämisch vor sich hin dudelndes Stück Fahrstuhlmusik.

Nichts schien mehr zu gehen. Bis zum letzten Jahr jedenfalls, als sich der New Yorker tatsächlich bemüßigt fühlte, ein Signal gegen die Bequemlichkeit zu setzen. „Last Night“ war eine konzeptionell stimmige und mit viel Liebe umgesetzte Hommage an die Clubmusik der 80er. Doch schon mit dem dieser Tage erscheinenden Nachfolger „Wait For Me“ verfällt Moby wieder in den gemütlichen Trott. Pop-Flirts а la „Why Does My Heart Feel So Bad?“, halbherzige Verweise auf die Soundästhetik in Filmen von David Lynch, watteweicher Wohlklang und ein Hauch Klassik – das hat er alles schon zur Genüge durchgekaut. Hoffentlich schippert Moby nun nicht auf einer ähnlich sanften Woge der Entspannung durch den Heimathafen. In seinem Gesamtwerk sind weiß Gott spannendere Dinge passiert.

Text: Thomas Weiland

Moby Heimathafen Neukölln,
Di 23.6., 21 Uhr, VVK: 28 Ђ

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