Konzerte & Party

Moderat: II

Moderat: IIBisher kamen Gernot Bronsert und Sebastian Szary von Modeselektor und Sascha Ring von Apparat nur punktuell zusammen. Erstmals geschah das für die Produktion der 2003 veröffentlichten EP „Auf Kosten der Gesundheit“. Sechs Jahre später erschien das erste gemeinsame Album „Moderat“. Rhythmen waren überpräsent und auf surrende Melodien aus dem Techno-Land wurde nicht verzichtet. Moderat wollten anders und eigenartig sein. Der damals als Hoffnungsfall gefeierte Dubstep lieferte ihnen dafür Anregungen. Sechs Monate haben die drei in ihren Terminkalendern freigeschaufelt, um konzentriert an „II“ arbeiten zu können. Es waren jene sechs Monate, die in dieser Stadt für den längsten, kältesten und dunkelsten Winter seit langer Zeit gesorgt haben. Selbst in ihrem Studio hoch über dem Alexanderplatz hatten Moderat nur selten freie Sicht auf Licht. Sehnsucht nach Helligkeit ist dann auch das große Thema in „Let In The Light“. Die Stimme hat man verlangsamt, Beats machen sich in Form eines sanften Klackens bemerkbar und die Stimmung ist melancholisch. Aber mit harmonischen elektronischen Flächen bringt das Trio auch ein illuminierendes Element ins Spiel. Fast hat man den Eindruck, als habe sich der enigmatische Engländer Burial zurückgemeldet, der mit ähnlichen Mitteln arbeitet. Im Gegensatz zum Debüt, das von den Singles „A New Error“ und „Rusty Nails“ überschattet wurde, können Moderat die Spannung dieses Mal von Anfang bis Ende aufrechterhalten. „Bad Kingdom“ ist ein wahres Pop-Meisterstück, in dem Ring seine Klasse als Sänger unter Beweis stellen kann. „Milk“ ist eine zuerst behutsam verlaufende Exkursion ins Areal des Ambient-House, die durch Aufschichtung von gespenstischen Loops doch noch intensiv wird. Mit „Damage Done“ bestätigt sich noch einmal der Eindruck von einer warmen und gefühlvollen Produktion, die aus Moderat mehr als ein Nebenprojekt macht.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

Moderat, II (Monkeytown / Rough Trade)

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