Konzerte & Party

Mogwai im Huxleys

Mogwai

Auf Mogwais eben gestarteter Deutschlandtournee findet sich neuerdings auch ein Heimspiel. Berlin ist schon länger Wahlheimat von Keyboarder und Gitarrist Barry Burns. 2009 war es, als der Mann mit den kurzen roten Haaren und dem Zwölftagebart Glasgow bis auf Weiteres den Rücken kehrte. Burns trifft man seither meist in einer Eckkneipe in Neukölln an – einem rustikalen Laden samt Holzvertäfelung. „Das Gift“ heißt der Pub, den Burns gemeinsam mit Gattin Rachel führt, auf hübschem Denglisch. Mogwai komme trotz Gastro-Nebenkarriere nicht zu kurz, versichert der Mitbegründer der Postrock-Veteranen. „Glasgow-Berlin, das sind zwei Stunden mit Easyjet“, sagt Burns. „Es ist wirklich kein Problem, dass wir nicht alle in derselben Stadt leben. Es kommt sogar vor, dass wir auf Tour nicht mal in der Bandgarderobe miteinander sprechen, sondern jeder an seinem Laptop sitzt und wir uns Mails schicken. Eigentlich unfassbar“, lacht er. Kein Fall von Redearmut nach überlanger Ehe, wie der frühere Musikstudent versichert. Mogwai sieht er als eingeschworene Gemeinschaft, die generell nicht viel Worte macht, um zum gemeinsamen Ziel zu kommen. „Oft denke ich, was für ein Glück wir haben, dass wir alle immer noch Freunde sind, dass wir uns nie streiten, nie anblaffen. So was lernt man, wenn man länger miteinander im Tourbus lebt. Wir gehen vorsichtig miteinander um.“
MogwaiAuch das neue, mittlerweile siebte Album zeugt von der Ausgewogenheit, die sich die Band nach 13 Jahren erspielt hat. Eine Zeit, in der Mogwai zwar kaum je im Radio zu hören waren – „dass wir keinen Gesang haben, hat es wohl nicht einfacher gemacht“, so Burns; dennoch wurde Mogwais subtil inszenierte Crescendo-Ästhetik samt flirrender Gitarrenflächen zur Blaupause vieler Instrumental- und Postrocktruppen. Auf dem ironisch betitelten „Hardcore Will Never Die, But You Will“ lotet das Quintett nun die eigenen Charakterzüge aus, spannt einen ungewöhnlich weiten Bogen zwischen einerseits ätherischer Zartheit und massigen Gitarrenriffs. Ein erweitertes Keyboard- und Synthie-Arsenal führt zu Schwelgereien in Krautrock-Gefilden, etwa das trippige
„Mexican Grand Prix“ mit seinem schnellen Elektropuls und Vocoder-gefiltertem Gesang. Einen Bogen machen Mogwai dagegen um ihre Lieblingszutat: schnell angeschlagene hohe Gitarrensaiten mit kräftig getretenem Echopedal. „Einige Klänge verbindet man in der Tat fest mit Mogwai“, sagt Burns. „Aus dem Grund haben wir uns ganz bewusst von Delay-Pedalen ferngehalten, die wir bis dahin auf jedem unserer Alben verwendet haben. Diesmal haben wir gesagt: Lasst uns einfach Gitarre spielen, viele Keyboards, Synthesizer einsetzen – aber wenige Effekte.“ Die Tasten spielen denn auch eine Hauptrolle, gleichauf neben der E-Gitarre. „Wir haben uns neue Synthesizer zugelegt, ein paar nagelneue, einige ältere Modelle aus den Siebzigern, Achtzigern. Sie prägen ziemlich viele der neuen Stücke.“ Krautrock-Beats, Retro-Synthies, Hausverbot für die geliebten Effektpedale. Es hat sich einiges verändert im eingeschliffenen Mogwai-Klangkosmos, doch auf die dezente Art. Verwechslungsgefahr ist nach wie vor ausgeschlossen, wie es sich gehört für Stilikonen.

Text: Ulrike Rechel

Fotos: Steve Gullick

Mogwai + RM Hubert, Huxleys, Di 29.3., 21 Uhr, VVK: 30 Euro

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