Konzerte & Party

Im Festsaal Kreuzberg: Lou Barlow

Lou BarlowEs gibt viele Musiker, die alten Glanzzeiten nachtrauern. Lou Barlow gehört nicht dazu: Die Jahre, in denen der schüchterne Brillenträger am Bass von Dinosaur Jr. zu einer prägenden Kraft des Indierock wurde, gehören eher zu den schwierigen. Für eigene Songvorlieben blieb damals oft kein Platz neben den krachenden Noise-Hymnen. Dabei mag es Barlow als Songschreiber gern simpel; schätzt es, wenn ein Song mit nur zwei oder drei Akkorden auskommt – oder wenn man nichts weiter dafür braucht als eine Ukulele.
Heute steht der Mittvierziger längst selbst für eine einflussreiche künstlerische Handschrift, wird von Fans als Lo-Fi-Guru verehrt. „Nach 15 Jahren, in denen ich Songs geschrieben, Platten aufgenommen habe und mein Ding machen konnte, habe ich mittlerweile ein Ego entwi­ckelt, einigermaßen jedenfalls“, sagt der schüchterne Work­aholic stolz. Auf seinem jüngs­ten Album „Goodnight Unknown“ ist der Wahlkalifornier seinem alten Lo-Fi-Ansatz generell treu ge­blie­ben: „Ich verwende nur billiges Equipment und beherrsche auch bloß das Gröbs­te an Aufnahmetechniken“, bekennt er. Der Schrammelsong „Take Advantage“ etwa sei in der Waschküche zu Hause in Los Angeles entstanden; entsprechend sympathisch verschlafen klingt er auch. Andere Stücke haben was von kleinen Seufzern: Die Sache mit dem Herzschmerz, das immer wieder gewaltige Ereignis, ist das verbindende Leidensthema. Mal geht es rauer zu а la Sebadoh, mal zupft Barlow verträumtes Akustisches wie mit The Folk Implosion. Vereinzelt stimmt er auch euphorischen Glamrock an. Wo jede Lovestory doch ihren rosaroten Auftakt hat.

Text: Ulrike Rechel

Lou Barlow, Festsaal Kreuzberg, Mo 8.2., 21 Uhr, VVK: 16,10 Euro

Tickets www.tip-berlin.de/tickets

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