Konzerte & Party

Am Samstag: Emiliana Torrini in der Columbiahalle

Emiliana TorriniMan traut Topmodel Heidi Klum ja einiges zu. Doch dass die Ehefrau von Luxus-Popper Seal eine ausgeprägte Ader für IndiePop haben soll, überrascht dann doch. Nun war es ja nicht Klum selbst, die sich durch den Veröffentlichungsberg des Jahres 2008 arbeitete, um die Musik für ihren Quotenrenner „Germany’s Next Topmodel“ auszusuchen. Dafür gibt es Profis in Klums TV-Reich – und die blieben für den finalen Catwalk bei Emilнana Torrini hängen, deren funkensprühender Groover „Jungle Drum“ dann bekanntlich Furore machte. Island kommt auf diese Weise mal wieder zu einem Pop-Rekord: „Jungle Drum“ ist der erste Song von der Vulkaninsel, der es je in Europa auf diverse Nummer-eins-Positionen brachte. Die 32-jährige Songschreiberin mit den großen braunen Augen entdeckt man seither überall neu. Mit dem Album „Me & Armini“ – Torrinis drittes reguläres – gelang im Nachhinein der Sprung in höhere Chartregionen. Dabei ist die Tochter italienisch-isländischer Eltern alles andere als ein One-Hit-Wonder. Das verspätete Erfolgsalbum ist ein wahres Kleinod, wimmelt vor smart inszeniertem Akustikpop wie dem Titelsong mit seinem lässigen Reggae-Puls oder dem dunkel umwehten „Gun“, in dem tiefe Gitarren eine seltsam blutrünstige Mordgeschichte untermalen. Gesanglich ist Torrini, die früher bei der Dance-Formation Gus Gus am Mikro stand und nebenher im italienischen Restaurant ihrer Eltern kellnerte, so vielseitig wie nie. Mit ihrem mädchenhaften Sopran und der Klangkulisse verwandelt sie sich wahlweise in ein Streetgirl, eine Wohnzimmerpoetin oder eine zwielichtige Erzählerin. Mit den üblichen Björk-Vergleichen hat das wenig zu tun. Allenfalls der leichte Akzent in Torrinis Zungenschlag verrät etwas über ihre Herkunft aus dem Land der Gey­sire.

Text: Ulrike Rechel


Emilнana Torrini


Columbiahalle
,(Adresse und Googlemap) Sa 26.9., 20 Uhr, VVK: 25 Ђ Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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