Konzerte & Party

Morrissey in der Columbiahalle

Er wird doch nicht etwa? Seit Erscheinen eines Interviews im amerikanischen Magazin „Filter“ im Februar spekulieren Morrisseys Anhänger, was es wohl mit Rück­trittsgedanken ihres Idols auf sich haben könnte. „Ich möchte nicht mehr lange weitermachen. Ich glaube, das würde auf einen Mangel an Fantasie hindeuten. Auch auf einen Mangel an Würde“, wird er zitiert. In gewisser Hinsicht
wäre der Abschied konsequent, schließlich hat sich Mozzer im Song „Get Off The Stage“ mal lautstark über alternde Rock-Dinosaurier beklagt, die einfach nicht aufhören können. Nun ist er selber gerade 50 geworden und steht immer noch auf der Bühne. Da wird so ein Text schon mal zum Bumerang.
Im selben Interview sagt der Sänger: „Ich schenke dem Publikum wirklich keine Beachtung, und ich kann für meine Stücke auch keine großartigen Erklärungen abgeben, weil ich sie in den meisten Fällen nicht verstehe.“ Spätestens da hat man wieder Gewissheit, dass man nicht alles glauben sollte, was Musiker so in Interviews von sich geben. Steven Patrick Morrissey ist ein unverbesserlicher Narziss und zugleich der größte Ich-Erzähler, den es im Pop je gegeben hat. Er liebt es, die eigene miserable Gemütsverfassung trotzig zu zelebrieren und live im Blumenbad der bewundernden Menge zu versinken. „All You Need Is Me“ singt er dazu passend auf seinem aktuellen Album „Years Of Refusal“. Er weiß, dass wir ihn brauchen. Einen wie ihn gibt es nur einmal.  
Alles nur Humbug also. Mozzer wird weitermachen. Vielleicht nimmt er eine längere Auszeit, wie schon zwischen 1997 und 2004. Danach aber wird er mit brillant formulierten Bemerkungen über das Leiden aus der Sicht eines 55-Jährigen glänzen und einmal mehr beweisen, wie sexy Trübsal sein kann.     

Text: Thomas Weiland

Morrissey

Columbiahalle, Fr 12.6., 20 Uhr, ausverkauft

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