Konzerte & Party

Morrissey spielte im Berliner Tempodrom

Morrissey-2009CMS-SourceEin Konzert der B-Seiten sollte es werden, aber auch das auf A-Klasse-Niveau. Im ausverkauften Tempodrom zeigte sich der britische Pop-Melancholiker Morrissey wieder von seiner rockigen Seite, die er auch auf dem aktuellen Album „Years of Refusal“ ausgelebt hat. Eskortiert wurde er von einer erstklassigen Combo, die ihren Instrumenten und sich selbst alles abverlangten. Eine ganze Armada verschiedenster Gitarren stand bereit und musste nach Gebrauch mit Sicherheit generalüberholt werden, noch beeindruckender war ein riesiger Gong, der den Saal dramatisch kalkuliert vibrieren ließ.

Dank seines durch und durch britischen Charmes, eher zurückhaltend aber mit einer gewissen Koketterie, hatte der Maistro keine Mühe, sein Publikum beim zweiten Berlin-Gig in diesem Jahr um den Finger zu wickeln. Fein verstreute er unbekanntere wie bekanntere Songs а la „Irish Blood, English Heart“ oder „Something is Squeezing my Skul“ und natürlich einige Smith-Klassiker wie „Ask„, kam aber insgesamt über 1 1/2 Stunden Programm nicht hinaus. Er schüttelte Hände in der ersten Reihe, hielt sich mit Kommentaren wie „Thank you for giving, giving, giving“ eher zurück und nahm auch die Liebeserklärung eines weiblichen Fans via Mikro mit typisch britischen Understatement entgegen.

Wie ein edles Dressurpferd tänzelte der Ex-The-Smith-Frontmann in der ihm eigenen Art über die Bühne und schwitzte drei Hemden durch, das letzte landete im Publikum und für kurze Zeit stand der Künstler oberkörperfrei in der Arena und erinnerte dabei an seinen stets mit vollem Körpereinsatz agierenden Landsmann Dave Gahan. Keine Spur von Kreislaufschwäche wie vor kurzen beim Konzert in London, als Morrissey schon mitten im ersten Lied zusammen brach.
Sicher, ein paar mehr Zugaben hätte man sich gewünscht, zum Beispiel eher seltener gespielte Stücke wie „Some Girls are bigger than others“ – aber das war ja schon beim Juni-Konzert im Programm – und ist wohl doch eine A-Seite.

Text: D.S.

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