Konzerte & Party

Mos Def: „The Ecstatic“

Mos Def: Es kann gut sein, dass sich von dieser Rezension zunächst mehr Kinogänger als Musikfans angesprochen fühlen. Schließlich war Mos Def in einigen viel beachteten Filmen („Monster’s Ball“, „16 Blocks“, „Be Kind Rewind“) zu sehen. Von Hause aus ist er aber Rapper, und zwar nicht irgendeiner. Ende der Neunziger verpasste er der abgestumpften Szene zusammen mit dem ebenfalls herausragenden Talib Kweli („Black Star“) und als Solist („Black On Both Sides“) dicke Denkzettel. Was folgte, waren unzählige Hollywood-Engagements, aber nur wenig brauchbare Musik. Doch nun, zehn Jahre nach seinen epochalen Frühwerken, meldet sich der New Yorker MC mit einem Album zurück, das verloren geglaubtes Vertrauen in ihn und HipHop allgemein zurückbringt.
The Ecstatic“ hat so gar nichts von altem Trott. Bereits im Intro wird die Notwendigkeit einer tief greifenden Veränderung an­gemahnt, danach gibt es in „Supermagic“ psychedelischen Gitarrensound auf die Ohren. Bei „Auditorium“ (mit The Rule) und „Wahid“ kommt man sich vor, als befinde man sich auf einem arabischen Basar, wo ge­mütlich an der Wasserpfeife gezogen wird. Hier stellt Madlib, der als Beat Konducta schon auf ähnlichem Terrain unterwegs war, einmal mehr seine Fähigkeiten als herausragender Atmosphäregeber unter Beweis. Zu Beginn von „Quiet Dog Bite Hard“ spricht Afrobeat-Legende Fela Kuti zu uns, ehe ein unglaublich leichtfüßiger Groove das Gebein animiert. Für „Life In Marvelous Times“ hat sich Mr. Flash aus der Pariser Ed-Banger-Posse dramatisch klingende elektronische Orches­ter­effekte überlegt. Dass Mos Def vor einiger Zeit in Rio weilte, um bei einer Dokumentation über Leben und Musik in den Favelas mitzuhelfen, hört man am Samba-Funk von Banda Black Rio in „Casa Bey„.
Ganz schön viele Elemente auf einmal, mag man da denken. Am Ende aber wirkt das Album in sich ausgesprochen homogen, schreit es nicht bösartig an und lässt es den Prota­gonisten nie wie einen durch­­gedrehten Poseur aussehen. Mos Def ist zurück, in der ers­ten Liga.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

Mos Def, The Ecstatic (Downtown/Universal)

Mehr über Cookies erfahren