Konzerte & Party

Moscow Night im Goya

Moscow Nights

Ein schönes Wochenende will gut geplant sein. Also geht das Frauchen erst mal los und besorgt sich neue Kleider. Nicht irgendwo natürlich, sondern bei den besten Ausstattern am Ku’damm, so will es der Dresscode. Der Mann nimmt derweil die Buchung für die Moscow Night vor und kann zwischen drei Paketen wählen. Das kleine für 25 Euro garantiert ihm, der Liebsten und maximal sechs weiteren Personen eine Anfahrt zur Party mit der Superstretch-Limousine, eine Flasche Sekt während der Fahrt und bevorzugten Einlass ohne Anstehen. Die teuerste Option ist das Premium-Paket für 55 Euro, für das man auch Anspruch auf drei Liter Wodka, Zugang zum VIP-Bereich und Sitzplatzgarantie hat. Sitzen ist bei der Moscow Night nicht ganz unwichtig. Vor Mitternacht gibt es keine Musik zu hören. Zuerst nehmen die Gäste an reservierten Tischen Platz. Danach sind die DJs Magvay und Ismael Nagera dran und mischen russische Club-Hits, House und Black Music. Dazu wird der teure Stoff richtig schön durchgeschwitzt oder im Überschwang mit Wodka übergossen. Der Rahmen ist edel, aber ein bisschen Ausgelassenheit muss schon sein.  
Die Moscow Night findet seit April ein Mal im Monat im Goya am Nollendorfplatz statt. An dem Ort also, der früher Metropol hieß und für Toleranz und Vor-Rave-Ekstase stand.
Moscow NightsAber Berlin hat sich verändert, das Nachtleben wird zusehends gediegener. Zahlungskräftige Russen sind da eine Bank. Eventmanager Theo Makris von der Agentur Mandelbaum hat keine Zweifel, dass sich die Moscow Night etablieren wird: „Russische Partys für den gehobenen Anspruch gibt es Berlin schon länger. Früher fanden sie in privatem Rahmen in Off-Locations statt. Dort äußerten viele Leute den Wunsch, dass sie auch gerne Bekannte aus dem Freundeskreis mitbringen möchten. Das ist jetzt möglich.“ Die Schätzungen schwanken, was die Zahl der in Berlin lebenden Russen angeht. Man darf mindestens von 100?000 Personen ausgehen. Ein großer Teil hat sich wie schon in den Zwanzigerjahren in „Charlottengrad“ rund um die Kantstraße angesiedelt. Damals waren es Russen, die nicht mit der Sowjetunion einverstanden waren. Wo die Leute in Berlin und darüber hinaus wohnen, spielt laut Makris indes keine Rolle: „Für unsere Planung ist es nicht entscheidend, dass in einem bestimmten Bezirk viele Russen leben. Wir haben beobachtet, dass die Besucher auch längere Wege auf sich nehmen, um zu so einer Party zu gehen. Der Reiz besteht darin, unter seinesgleichen zu feiern.“
Womit wir beim Problem angelangt wären. Berlin wird weltweit als Party-Hauptstadt bejubelt, nicht zu Unrecht. Trotzdem ist es so, dass hier nicht jeder mit jedem kann. Es existieren Parallelgesellschaften. Noch immer werden türkische und arabische Nachtschwärmer an vielen Türen abgewiesen. Russen suchen sich gerne ihre eigenen Nischen. Die Moscow Night richtet sich primär an sie. Das ist eine Tendenz, die in einer Metropole nicht zu sehr einreißen sollte. Man mag von Kaminers Russendisko halten, was man will. Aber da mischen sich wenigstens alle möglichen Leute und bekommen auch etwas von der Kultur im osteuropäischen Riesenland mit.

Text: Thomas Weiland

Fotos: FMS IMAGES

Moscow Night, Goya, Nollendorfplatz 5, Schöneberg

Nächste Party: Sa 25.5., ab 22 Uhr, VVK: 25-55 Euro

Mehr über Cookies erfahren