Konzerte & Party

MS MR im Berghain

MS MR

Auf welche Art sich die Musikindustrie gewandelt hat, lässt sich derzeit gut an der Blitzkarriere von MS MR beobachten. Das New Yorker Duo machte cool einen Bogen um Plattenfirmen, setzte stattdessen auf die Wirkungsmacht von sozialen Medien wie Tumblr und Blogs. Dazu machte das Doppel ein Geheimnis um die Identität hinter den vier großen Lettern und lancierte einzelne Songs und Videoclips häppchenweise, so den eleganten Elektropop-Ohrwurm „Bones“. Spätestens als Promis wie Jay-Z und Usher in ihren Tweets die Songs der unbekannten Band priesen, rollte ein stattlicher Hype; das Majorlabel, das für das Debüt „Second Hand Rature“ den Zuschlag bekam, durfte froh sein, sich an die Newcomer dranhängen zu dürfen. Es zahlt sich offenbar aus, dass Sängerin Lizzy Plapinger mit ihren zarten 25 Jahren längst ein Profi ist. Bereits zu Studentenzeiten betrieb sie ein bald als hip geltendes Mini-Label, das etwa Marina & The Diamonds oder Ellie Goulding entdeckte. Kein Wunder, dass das eigene Projekt der Sängerin mit der rauchigen Stimme aus dem Stand viel Aufmerksamkeit erntete. Die zusammen mit Do-It-Yourself-Produzent Max Hershenow entstandene Platte kann die geschürten Erwartungen durchaus erfüllen: Das sinistre, von Synthies und Drumbeats geprägte Klangbild wirkt wie aus einem Guss, eingängige Songs wie „Hurricane“ und „Dark Doo Wop“ halten gekonnt die Waage zwischen überlebensgroßem Drama und hausgemachter Laptop-Tüftelei. Live präsentiert sich das Doppel von Kopf bis Fuß durchgestylt: Aus der früheren Labelmacherin mit Anflügen eines weiblichen Musiknerds ist eine glamouröse Popfee geworden.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Logan White

MS MR, Berghain, Do 4.7., 21 Uhr, ausverkauft

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