Konzerte & Party

„Müm“ aus Island im Lido

MümIslands Bands haben sich an ein paar Dinge gewöhnt. Etwa, dass viele Indie-Hörer verwunschene Lava-Landschaften mit ihrer Musik assoziieren; oder dass sie häufig Vergleiche hören mit Björk oder Sigur Rуs. Mъm geht es da nicht anders als anderen Truppen in Reykjavнk. Dabei hat die Band in den vergangenen zwölf Jahren eine recht eigensinnige Evolution hingelegt. Man versteht sich als wandelbares Kollektiv, klanglich wie personell: Rund 15 Musiker hinterließen ihre Spuren auf den bislang fünf Mъm-Alben. Konstant ist allein das Stammduo Örvar Юуreyjarson Smбrason und Gunnar Örn Tynes, der Reykjavнk zwischenzeitig auch mal gegen den Prenzlauer Berg eintauschte. Die beiden Multiinstrumentalisten erinnern eher an Dramaturgen als an Frontmänner; man muss auf Bandfotos schon genauer hinsehen, um das Duo von den Nachrückern zu unterscheiden. Als Spielfeld dient bis heute eine sehr offene Auslegung des Folksongs. Anfangs prägten naive Melodien und obskure Elektronika den Bandton. Wenn die einstige Bandsirene Kristin Anna Valtэsdуttir mit kindlichem Sopran einstimmte, kam man um knuffige Elfen­assoziationen kaum herum. Das neue Album „Sing Along To Songs You Don’t Know“ wirkt dagegen, als seien die Skandinavier aus ihrem entrückten Traumspiel erwacht.
Die derzeit siebenköpfige Truppe kommt überraschend erdverbunden daher: Klar auskompo­nierte Streicherparts rücken ins Zentrum, legen ein ruhendes Fundament. Die zarten gemischten Stimmen bündeln sich oft zu Chören. Das wirkt bei einer Band wie Mъm zwar immer noch fein und zerbrechlich. Doch letztlich landet die Band damit dichter denn je beim klassischen Songformat. Mitsingen, wie im Albumtitel gewünscht, kann man da tatsächlich. Man braucht nicht einmal einen Elfensopran dafür. Ein ruhiger Atem reicht schon.

Text: Ulrike Rechel

Foto: James Kendall 

Mъm, Lido, Sa 5.9., 21 Uhr, VVK: 22 Euro

Mehr über Cookies erfahren