Konzerte & Party

Mumford & Sons im Velodrom

Mumford & Sons

Kürzlich meldete sich mal wieder Liam Gallagher mit spitzer Zunge zu Wort. Er tut sich schwer mit Londons Neofolk-Überfliegern Mumford & Sons, der großväterliche Kleidungsstil des Quartetts wirke „verlaust“. Man kann das Murren des einst größten Brit­rockers gegen die momentan so Erfolgreichen durchaus auch als Anerkennung deuten. Der Siegeszug, den das Quartett um Vikarensohn und Raukehle Marcus Mumford in kaum sechs Jahren hingelegt hat, ist fraglos imponierend. In den USA etwa lächeln die Londoner zurzeit vom Cover des „Rolling Stone“ und ihr Album „Babel“ ist nicht von der Chartspitze zu vertreiben, zwei Grammys trugen sie dafür nach Hause. Keine Selbstverständlichkeit für eine europäische Band, die sich doch mit tief amerikanischer Musik einlässt: mit Bluegrass-Instrumenten um Banjo und Standbass, dem epischen Ernst eines Bruce Springsteen und mit Geschichten, die nie weniger als Gott, Teufel, Reue und Vergebung verhandeln. Selbst U2 ernteten in den USA einst Häme für ihre Verbeugung vor dem Blues auf dem Album „Rattle & Hum“. Bei Mumford & Sons aber wirkt der Umgang mit den alten Zutaten weit weniger wie eine bewusste Übung, vermutlich könnten die vier selbst das Banjo einsparen, um mit ihrem reduzierten Americana-Gepäck maximale Katharsis zu entfachen. „Babel“ präsentiert die Band zwar nun vermehrt in austauschbaren Beton-Arenen. Doch die Songs klingen immer noch so, als wären sie nie für etwas Größeres als einen Pub ersonnen worden.

Text: Ulrike Rechel

Mumford & Sons + Mystery Jets + Half Moon Run, Velodrom, Di 2.4., 20 Uhr, ausverkauft

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