Konzerte & Party

Muse in der Waldbühne

Muse

Als Muse unlängst nach ihrem Drang zu exzessiver Größe befragt wurden, da wollte es niemand aus dem Trio so richtig sein: der Megalomane, dem keine Arena zu groß, kein Bühnen-Gimmick zu überzogen sein kann. Schließlich bekannte Schlagzeuger Dominic Howard Farbe: Er wolle die Dinge mit Muse so weit ausreizen, wie es nur geht. Diesem Ziel haben sich Muse konsequent genähert, vor allem in Gestalt ihres bombastischen Artrock-Ungetüms „The Resistance“ von 2009. Den Songs selbst aber tat der geballte Exzess nur bedingt gut. Von der emotionalen Stärke und dem Charme früherer Platten war die Materialschlacht samt Bellamys Primadonna-Gesängen und Queen-Mimikry weit entfernt. Das neue sechste Album der Band, die seit Jugendzeiten in Devon und somit mehr als die Hälfte des Lebens zusammenspielt, findet da zu einer musikalisch interessanteren Form zurück. „The 2nd Law“ zeigt die Band endlich wieder verspielt und experimentell allein um der Songs willen. Vielfältiger waren Muse nie: „Supremacy“ ist eine dauerbewegte Mini-Rockoper, das Titelstück ein langer trippiger Clubtrack, Dubstep fließt originell ein neben filmreifen Orchesterarrangements. Zwei Songs gehören erstmals Bassist Chris Wolstenholme, der in „Liquid State“ seine jahrelange Alkoholsucht aufgreift und eine eigene, psychedelische Note ins Spiel bringt. Auch Band-Genius Bellamy rückt öfter von seiner Rolle als überdrehter Operndirektor ab, um wieder mehr Seele in seine Songs zu legen und die eigene intimere Seite wieder freizulegen. Manchmal darf es eben auch gerne mal etwas weniger sein.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Travis Shinn

Muse + Biffy Clyro, Waldbühne, So 14.7., 18 Uhr, VVK: 70 Euro zzgl. Gebühr

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