Konzerte & Party

Musik für jeden Geschmack

Noel Gallagher's High Flying Birds, Noel Gallagher's High Flying BirdsDer Bruder antwortet
Man spürt schnell, dass hier jemand nicht bloß sein Erbe verwalten, sondern sich wieder beweisen will. Nicht, dass sich Noel von Grund auf neu erfindet: „If I Had A Gun …“ etwa tangiert den Vibe von „Wonderwall“ recht deutlich. Aber endlich hat es ein Ende mit der üblen Laune, den trägen Songs und dem sklavischen Festhalten an einem Übervorbild. Der Aussteiger singt selbstbewusst und erweckt jederzeit den Eindruck, als sei er guter Dinge. Dazu kommt die Entschlossenheit, mit der er sich aus der traditionellen Ecke wegbewegt. Der tanzbare Beat und das House-Piano in „AKA… What A Life“ und ein feierliches Outro wie im New-Orleans-Jazz sorgen für Belebung, ohne dass es wie ein Akt der Verzweiflung wirkt. So wird man nach einer langen Durststrecke tatsächlich wieder Fan.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

Noel Gallagher’s High Flying Birds, Noel Gallagher’s High Flying Birds (Sour Mash/Indigo)

 

Blink-182, NeighborhoodsDer Pubertät entstiegen
Auch acht Jahre nach dem letzten Album wagen Blink-182 keine Experimente. „Neighborhoods“ ist die Fortsetzung der bewährten Einfachheit und nicht weniger als ein ordentlich vorwärtsziehender Überblick über vergangene Alben – die der Nebenprojekte +44 und Angels & Airwaves eingeschlossen. Melodische Gitarrenriffs, galoppierende, oft scheppernde Drums und Synthies wie in „This Is Home“ stützen die Pop-Punk-Platte des Trios aus San Diego. Mit der Band gealterte Fans werden sich am ehesten bei „Heart’s All Gone“ zu Hause fühlen, das an temporeiche „Dude Ranch“-Zeiten anknüpft. Über weite Strecken des Rests geben sich Blink-182 gemäßigter und finden sogar Raum für ernste Themen wie den Tod. Wer hätte gedacht, dass die Band doch noch erwachsen wird?

Text: Nadine Kleber

tip-Bewertung: Annehmbar

Blink-182, Neighborhoods (Universal Music)

 

Amy Lavere, Stranger MeGefährliche Kindfrau
Der legendäre Memphis-Produzent Jim Dickinson erkannte als Stärke, was ihr selber eher unangenehm war: eine verdammt kindliche Stimme. Zwei Alben lang konnte sie das kongenial mit Musik der harten Männer kombinieren, Western Swing, Country Waltz, Zydeco, brunnentiefer Blues… immer ein Hochgenuss. Nun, nach Dickinsons Tod 2009, ist sie ins moderne alternative Lager gewechselt, und alles klingt hipper und exzentrischer und mit der dem Genre innewohnenden Rotzigkeit. „Here’s your damn lovesong“, schnauzt sie gleich im Opener, und schon hat man die Nase voll von der Liebe, nicht aber von ihr. Ein Trennungsalbum. Intensiv, lebenshungrig, mutig. Mord und Totschlag sind ihre Lieblingsthemen, und neben ihrer famosen Stimme spielt sie auch noch exzellent den Bass. Zum Fürchten gut.

Text: Christine Heise

tip-Bewertung: Hörenswert

Amy Lavere, Stranger Me (Archer Records)

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