Konzerte & Party

Musik für jeden Geschmack

Babybird: The Pleasure Of Self DestructionBritpop mit kleinen Spitzen
Stephen Jones war der Überraschungsgast auf der Britpop-Party. Aus heiterem Himmel lieferte er mit „You‘re Gorgeous“ einen Hit ab, an dem keiner vorbeikam. Aber dann verschwand er mit Babybird schnell wieder in der Nische. Erst jetzt hat man wieder das Gefühl, dass er sich einmischen will. Er liefert Stücke wie „Beautiful Haze“ ab, die so eingängig wie damals sind. Jones ist aber auch ein Typ mit Selbstbewusstsein und Persönlichkeit. Er beschreibt die Widersprüchlichkeit im menschlichen Verhalten und drückt sie mit Songs aus, die direkt aufeinander folgen und inhaltlich in Opposition zueinander stehen. Manchmal reicht ihm dafür aber auch schon eine Zeile: „I don‘t like drinking but drinking loves me.“ Kommt einem das nicht irgendwie bekannt vor?

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

Babybird, The Pleasure Of Self Destruction (Unison/Alive)

 

Freestyle Fellowship: The PromiseRap-Lehrstück
Wenn man das lange A-cappella-Intro in „Government Lies“ hört, weiß man sofort, dass diese Crew tatsächlich im Freestyle zu Hause ist. Es geht ihr ganz klar um rednerisches Können, substanzreiche Inhalte und innere Überzeugung, nicht um Plattheiten oder Posen. Schön, dass es dabei geblieben ist, auch nach der langen Zeit, die seit dem epochalen Debüt „Inner City Griots“ aus dem Jahr 1993 vergangen ist. Die Raps orientieren sich an Scat-Mustern im Jazz. Es wird nicht mit offensichtlichen Samples, sondern schwer identifizierbaren elektronischen Sequenzen gearbeitet. Und man weiß nie, was als Nächstes kommt. Tracks mit Bollywood-Flair, Indie-Rock-Anleihen, R&B-Einschübe und politische Plädoyers fachen das Interesse immer wieder neu an. In dieser Form ist Hip-Hop immer ein Thema.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

Freestyle Fellowship, The Promise (Decon/Groove Attack)

 

Kami Thompson: Love LiesDynastiesprössling
Die jüngste Tochter von Richard und Linda Thompson schreibt ihre Songs im Nachhall der Folktradition, die allgegenwärtig ist, auch wenn man Elemente aus Pop, Country und New Wave hört; mit kunstvollen Backingvocals (Martha Wainwright), verspielten Wah-Wah-Gitarren (Sean Lennon) und dem klagesymphonischen Elliott-Smith- Ton. Ihre Stimme hat fast die Strenge einer June Tabor, mit nahezu monotoner Melodieführung, was die Songs gut vertragen, werden sie doch von Vater Richard mit gewohnt vibrierenden Gitarren begleitetet. „Gotta Hold On“ ist vertrautes Familienterrain, während „Never Again“ eher die verschleppte Erzählweise eines Bonnie „Prince“ Billy hat. Zum Abschluss ein Beatles/George Harrison Song, „Don’t Bother Me“, für ein Album voller Trennungs- und Enttäuschungsthemen durchaus passend.

Text: Christine Heise

tip-Bewertung: Hörenswert

Kami Thompson, Love Lies (Warner UK)

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