Konzerte & Party

Musik für jeden Geschmack

The Mars Volta: NoctourniqueWechselströme
Songs mit Titeln wie „Dyslexicon“ und „Lapochka“? In denen es durchlaufend um einen Protagonisten geht und Taktsorten umschlagen können wie Sturmböen? Dann befindet man sich auf Prog-Terrain, Stammgebiet von The Mars Volta. Deren sechstes Album klingt dennoch zugänglicher denn je, mit konzisen, doch fantasieprallen Songs, in denen Cedric Bixler-Zavalas quecksilbrig bewegter Gesang zentral ist – und kaum mal eins seiner Extremsport-Gitarrensoli zu hören ist. Das hat sein Gutes: Mit jedem Song weht eine distinktiv andere Stimmung, von dringlich bis zum leisen Stimmungsstück „Aegis“ mit spannend gegenläufigem Schlagzeug und einer Melodie, die auch Radiohead entzücken dürfte.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Hörenswert

The Mars Volta, Noctourniquet (Warner)

 

WhoMadeWhoSeriöser Electro-Pop
In „Inside World“ erlebt man die drei Dänen im angestammten Metier. Der Beat könnte von Giorgio Moroder kommen, und der Gesang erinnert an Zeiten, als Antony Hegarty bei Hercules?& Love Affair mitwirkte. Aber das Stück ist dann doch eher untypisch für dieses Album. Man merkt, dass WhoMadeWho als Songschreiber selbstbewusster geworden sind. Bei ihnen hängt jetzt alles an der Melodie und nicht mehr an Ingredienzen aus der Clubmusik, etwa an typischen Bassläufen. Als Untermalung hilft ihnen Westcoast-Folk-Touch genauso weiter wie ein strenger EBM-Groove. Neben der Vielfalt ist die Seriosität das große Plus dieses Albums. Früher hatte man den Eindruck, WhoMadeWho machen das alles der Coolness wegen. Jetzt ist es ihr voller Ernst.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

WhoMadeWho, Brighter (Kompakt/Rough Trade)

 

Simone FeliceSehr eigenständig
Nach den Felice Brothers ist nun auch die Nachfolgeband The Duke & The King Geschichte. Mithilfe alter Felice-Kollegen und Mitgliedern von Mumford & Sons hat der sensible schriftstellernde Simone Felice sein Debütalbum fertiggestellt. Die Grundhaltung ist klassisch, mit Gitarre und Mundharmonika-Akzenten, dehnt sich aber immer wieder in luftige Höhen aus mittels Streichern, Bläsern und Gospel-geprägten Gesängen. Seine Songs fokussieren Einzelschicksale auch berühmter zerrissener Seelen wie Courtney Love, thematisieren überraschend emotional das Massaker an Sharon Tate und ihren Freunden, beklagen Spielkasinos und das Schicksal der Indianer. Selber geprüft von schwerer Krankheit, aber auch frischer Vaterschaft („Raising a flag is easier than raising a son“), sind seine Worte auffallend klug und einfühlsam, zumal zart vorgetragen. Ein sanftes, aber auch schonungsloses Album.

Text: Christine Heise

tip-Bewertung: Hörenswert

Simone Felice, Simone Felice (V2 / Soulfood)

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