Konzerte & Party

Musik für jeden Geschmack

Graham Coxon: A + EBlur-Gitarrist dreht auf
„A + E“ ist in englischen Krankenhäusern die Abkürzung für die Notaufnahme. Coxon kennt sich da aus, er durchlief in der Vergangenheit so manch labile Phase. Jetzt singt er „I don’t know what’s wrong with me“, aber man hat trotzdem den Eindruck, dass er bester Dinge ist. Denn im Gegensatz zu seinen letzten Alben ist Coxon keine Kompromisse eingegangen. Garagenrock, Punk, der Radau der Noise-Bands der Achtziger und die stoischen Grooves der Krautrocker – all das hat den Gitarristen zu neuen Taten verleitet. Irgendeine interessante Idee fand er immer. „Knife In The Cast“ ist eine lang gedehnte Blues-Ballade, in der ein wühlender Bass den Ton angibt. „Meet + Drink + Pollinate“ lebt durch Saxofonspiel auf. „Running For Your Life“ ist schnell und verkracht, trotzdem bleibt Platz für melodische Durchbrüche. „A + E“ ist ein echtes Indie-Rock-Album alter Schule.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

Graham Coxon, A + E (Parlophone/EMI)

 

Olli Schulz: SOSZeit für den Durchbruch
Olli Schulz ist der Inbegriff des Antistars. Vielleicht gönnt man dem immer etwas abgerissen auftretenden Hünen gerade deshalb den Erfolg. Live ist er längst eine verlässliche Größe. Mit humorvollen Impro-Schnipseln flicht Schulz diese Atmosphäre auch auf „SOS“ mit ein. Voll Melancholie, Witz und bemerkenswerter Erzählkunst liefert das Album die so typische Schulz-Mischung. Musikalisch beweist der Wahlberliner ebenso Ironie wie Können. Mit völlig überzogenem Reggae und schrägen Autotune-Effekten in „Ich kenn’ da ein’“ über deutliche Country-Anleihen in „Spielerfrau“ und todtraurigem Akustik-Pop in „Koks & Nutten“ reißt das Album ausweglos mit in dessen emotionale Höhen und Tiefen. Eine große Stimme wird Olli Schulz niemals haben, großer Erfolg ist spätestens jetzt überfällig.

Text: Alex Fughoff

tip-Bewertung: Hörenswert

Olli Schulz, SOS – Save Olli Schulz (Trocadero/Indigo)

 

Rusko: SongsDubstep und was davor war
Dieser englische Produzent hat sich etwas überlegt. Wie viele seiner Kollegen hatte auch Rusko keine Lust auf eine reine Dubstep-Platte. Er sieht den Bass-Sound als aktuelle Stufe einer längeren Entwicklungskette, die mit Reggae und Dub begann, dann in Dancehall überging und schließlich zu Drum’n’Bass, 2Step oder UK-Garage führte. Also spielt er all diese Richtungen nacheinander durch, zum Teil auch mehrfach in einem Track. Auch von der Stimmung her geht zwischen dem Party-Jam „Dirty Sexy“ und der nervös-düsteren Orgie „Asda Car Park“ einiges.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

Rusko, Songs (Mad Decent/Universal)

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