Konzerte & Party

Musik für jeden Geschmack

LexHivesVolle Garagenrock-Kraft
Normalerweise braucht man nach einer längeren Pause schon seine Zeit, um wieder auf Touren zu kommen. Die feiererprobten Schweden kennen solche Probleme nicht. Sie spielen auf, als hätten sie an Vollenergizer-Fusel nicht nur genippt. Zwischendurch hatten sie ja mal was Neues versucht und mit Timbaland und The Neptunes gearbeitet. Jetzt hat der Experimentiergeist wieder dem unverfälschten Stoff Platz gemacht. Es gibt Songs, in denen alles schnell und mit vollem Einsatz innerhalb von gerade mal zwei Minuten durchgezogen wird – wie bei den Ramones. Für „I Want ­More“ haben sich Pelle Almqvist und Anhang den Beat von Joan Jetts „I Love Rock’n’Roll“ ausgeborgt. In „Wait A Minute“ steckt der Geist der Girlgroups der Sixties. Es gibt Zwischentöne, aber dann kehrt der ungebremste und nie zu stereotyp aufgezogene Garagenrock immer wieder zurück. Thomas Weiland

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

The Hives, Lex Hives (Disque Hives / Sony Music)

LittleBrokenHeartsPersonalwechsel
Ihr Debüt vor zehn Jahren war Glück für die ganze Familie, „Come Away With Me“ wurde eins der signifikanten Alben eines Jahrzehnts. Spannend ging es danach nur auf den Seitenwegen weiter, z.B. mit der Countryband The Little Willies. Mit Brian Burton aka Danger Mouse als Partner wagt sich die Hüterin der Sanftmut nun aus der Deckung, Trennungsgefühle werden subtil bedrohlich in Szene gesetzt; von wegen verzeihen, versöhnen, vergessen: „Fuck off“, lautet die Parole. Der dunkle Bass, die eiskalte Gitarre – die gerne als „Snora“ verhöhnte Erfolgsfrau weckt zwar keine Toten auf, aber lässt das Blut gehörig gefrieren und zeigt endlich mal Krallen. In „Miriam“ droht sie gar mit Mord. Das wiegt sich alles in äußerst zurückhaltendem Tempo, gelegentlich im Slomo-Westernwaltz-Style, das Sonus String Quartet hat schließlich Erfahrungen im Trip-Hop und Popfolk.

Text: Christine Heise

tip-Bewertung: Hörenswert

Norah Jones, …Little Broken Hearts (Blue Note / EMI)

SpiritInTheRoomLeaving Las Vegas
Erster Gedanke: Noch ein Album (Nummer 40!), der Mann ist doch bald 72!? Zweiter Gedanke: Macht Produzent Ethan Johns (Ryan Adams, Kings Of Leon) beim walisischen „Tiger“ jetzt auch noch den Rick-Rubin-Job? Ja, das tut er. Und zwar brillant. Denn die zehn Coverversionen von Leonard Cohen („Tower Of Song“), Odetta („Hit Or Miss“) und anderen werden hier gekonnt skelettiert: Piano, manchmal etwas Gitarre, Stimme, Gefühl. Beachtlich, wie sich der gemeinhin als Bühnen-Zampano mit Pressluft-Tenor Bekannte hier zurücknehmen kann. Mit oft brüchiger Stimme und ungewohnter Zeitlupenhaftigkeit („All Blues Hail Mary“) fühlt Tom Jones sich in die Seele neuer und alter Spirituals, Folk-, Blues- und Soulsongs ein und landet entgegen mancher Vorurteile mit dieser Platte einen echten Volltreffer.

Text: Hagen Liebing   

tip-Bewertung: Hörenswert

Tom Jones, Spirit In The Room (Island / Universal)

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