Konzerte & Party

Musik für jeden Geschmack

Linkin Park: Living ThingsNu Metal im Pop-Kleid
Irgendwann nach 2007 muss es gewesen sein: Jemand hat ausgeholt und der sechsköpfigen Band aus Kalifornien sämtliche Zähne ausgeschlagen. Linkin Park, die mit „Numb“ einst beispiellos die Wut ihrer Fans he­rausschrien, experimentierten auf „A Thousand Suns“ plötzlich mit Electro. Nun lassen sie auf „Living Things“ jede Glaubhaftigkeit in der Härte vermissen – viel zu kleine Rettungsinseln wie das keifende „Lies Greed Misery“ oder das scheppernd ballernde „Victimized“ einmal ausgenommen. In „Ca­stle Of Glass“, „In My Remains“ und allen voran der Powerpop-Ballade „Powerless“ klingt die Band geradezu wie mit Weichspüler abgefüllt. Überall schwirren Synthies zu absehbaren Akkordfolgen und radiotauglichen Pop-Melodien. Nu Metal war noch nie so tot.

Text: Alex Fughoff

tip-Bewertung: Uninteressant

Linkin Park, Living Things (Warner)

 

The Flaming Lips: The Flaming Lips And Heady FwendsFlug ins All mit Freunden
Für dieses Projekt haben die FLips weder Kosten noch Mühen gescheut und reichlich Musiker zusammengerufen. Der Auftritt von Ke$ha fällt dabei aus dem Rahmen, aber auch sie gliedert sich gehorsam ein und leistet sich einen freakigen Flirt mit außerirdischen Welten. Ständig drängen schrille galaktische Geräusche oder plötzliche Noise-Schübe in verträumt-psychedelische Klangflächen. Es lohnt sich, die Aufmerksamkeit besonders auf drei Stücke zu legen. Nick Cave behauptet sich mit verstörtem Fieberrauschvortrag hervorragend gegen den dröhnenden Trash der Band. Mit Lighning Bolt baut man in „I’m Working At NASA On Acid“ Verbindungen zu Donovan und Blue Cheer auf. Und die mit Erykah Badu eingespielte Version von „The First Time I Ever Saw Your Face“ beeindruckt mit spacigem Shoegazer-Sound im Zeitlupentempo.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

The Flaming Lips, The Flaming Lips And Heady Fwends (Bella Union / Universal)

 

Cro: RoapFreundliche Nabelschau
Plötzlich hat die deutsche Indiesphäre neue Identifikationsfiguren, sie finden sich im Rap oder machen sich ihren eigenen Reim darauf: Casper, Frittenbude oder jetzt Cro. Der Jüngling mit der Panda-Maske legt seine Ansichten zum Dasein um die 20 nicht im Stakkato über dicke Bässe, sondern er bringt sie melodisch vor, ohne harte Kanten. Kombiniert mit zahllosen spaßigen Wortspielen hat sein entspannt nacherzähltes Beziehungsdebakel „Easy“ Furore gemacht. Auf dem nun folgenden Debütalbum des Stuttgarters ist der Hit das klare Glanzstück. Die anderen Tracks variieren die Rezeptur um eine popfreudige, sparsame Instrumentierung, schnelle Reime und Themen, die den eigenen Zustand zwischen jugendlicher Verpeiltheit und dem gefürchteten Hamsterrad der Erwachsenenwelt reflektieren. Es ist eine freundliche, aber letztlich sehr auf sich selbst bezogene Nabelschau.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Annehmbar

Cro, Raop (Chimperator / Groove Attack)

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