Konzerte & Party

Musik für jeden Geschmack

Aimee Mann, CharmerSehr charmant
Man sollte ihr gut zuhören, denn hinter den freundlichen Melodien, verwurzelt im Carole-King/Carly-Simon-Pop der Siebziger und einem herzhaften Powerpop, warten gute Beobachtungen. Zentrales Thema ist die manipulative Wirkung von Charme, im Guten wie im Bösen, und wer ihrer stets etwas distanzierten, sexy nasalen Stimme folgt, kann was lernen. Z. B. über Selbstmord als kokette Androhung in „Crazytown“ oder das eigene Trotteligsein in „Labrador“, liebenswert, aber ein bisschen blöd, dafür ein toller Song. „Living A Lie“ über eine irgendwie suspekte, wackelige Beziehung wird passend mit James Mercer von The Shins als Duett inszeniert und kann sehr fröhlich nachdenklich machen. „Charmer“ ist das achte Album der Blondine aus Virginia und lebt von seiner Reife und unangestrengten Lässigkeit.

Text: Christine Heise

tip-Bewertung: Hörenswert

Aimйe Mann, Charmer (Super Ego / V2)

 

Mumford And Sons: BabelLeidenschaftliches Zupfen
Mumford And Sons hatten es bereits vorab verraten: keine großen Stilwechsel auf dem Nachfolger ihres Hit-Debüts. Der Londoner Pubrocktrupp mit dem großen Erfolg hierzulande bleibt also bei seiner glücklich machenden Formel um existenzielles Drama, qualmende Banjo-Soli – und ein großes Herz. Whisky-Kehle Marcus Mumford singt davon, mit dem Gesicht im Staub zu liegen oder auf den Knien zu kauern, selbst die Liebe klingt hier wie ein unentrinnbarer Fluch. Gewohnt fordernd trägt er das vor, während seine Band leidenschaftlich zupft, streicht, summt oder brüllt – von leise bis explosiv. Klanglich hält sich die Band dabei konsequent ans Einfache, Direkte und meidet Weichzeichnerei. Gut so.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Hörenswert

Mumford And Sons, Babel (Cooperative Music)

 

Nelly Furtado: The Spirit IndestructibleOhne Risiko
Im Titel steckt viel Kampfgeist, nur ist in der Musik nicht viel davon enthalten. Bob Rock hat „Believers (Arab Spring)“ aufgenommen, da plustert sich die portugiesische Kanadierin mal auf. In „High Life“ deutet sie an, dass sie sich auf ihr gutes Leben nicht viel einbildet. Fein. Abgesehen davon geht Furtado mit ihrem ersten englischsprachigen Album seit sechs Jahren praktisch kein Risiko ein. Der mit elektronischen Flächen versetzte Sound von Hauptproduzent Darkchild gehört heute ebenso zum Standard wie ein Rap von Nas und Einflüsse von M.I.A. oder Rihanna. Mit den Bonus-Tracks der Deluxe-Version wird man besser bedient – nicht zum ersten Mal bei Stars dieser Größenordnung übrigens. Der Reggae-Vibe in „Don’t Leave Me“ und der Beitrag des Kenyan Boys Choir in „Thoughts“  kitzeln die Aufmerksamkeit viel mehr als das Radiofutter davor.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Zwiespältig

Nelly Furtado, The Spirit Indestructible (Interscope / Universal)

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