Konzerte & Party

Musik für jeden Geschmack

Carminho: AlmaGemütsbewegt
Fado ist nicht gleich Fado. Viele der in jüngster Zeit nachwachsenden Vertreterinnen des urportugiesischen Musikgenres verkürzen dieses allzu sehr auf seine todtraurigen Gefühlsaspekte. Carmo Rebelo de Andrade, die seit dem Fabeldebüt von 2009 einen kometenhaften Aufstieg hinlegt, macht dagegen auf dem umwerfenden ­“Alma“ einmal mehr die gesamte Bandbreite an Seelen­regungen erlebbar. Neben tränenreichen Dramen („Lбgrimas do cйu“) singt die 28-jährige Lissabonnerin auch munter Hüpfendes („Malva-rosa“), liebeszart Sehn­­süchtelndes („Bom dia, amor“) sowie Nachdenk­liches über besitzergreifende Freunde („Meu namorado“) mit einer Dringlichkeit, als ginge es stets ums Ganze. 2011 wurde Fado als Weltkulturerbe anerkannt, bei Carminho ist das in den allerbesten Händen.

Text: Harald Kepler

tip-Bewertung: Herausragend

Carminho, Alma (EMI Portugal)

 

AerosmithSchwer pumpend
Elf Jahre lang hat man bei Aerosmith lediglich von Auflösungsgerüchten, bandinternen Unterlassungsforderungen und Bühnenstürzen gehört. Nun konzentriert sich die Gruppe wieder aufs Wesentliche: die Musik. Gefällige Melodien fließen den Bostonern nach wie vor leicht aus der Feder. Die agilen Gitarrenläufe sind ebenso geblieben wie der satte, gehörig groovende Sound, auf den sich Steven Tyler mit seiner oktavenverschlingenden Stimme singend, kreischend und krächzend stürzt. Am besten gefällt die Band dabei in klassischen Rocknummern wie dem lässig dahin rollenden „Oh Yeah“ oder dem schwer pumpenden „Lover Alot“. Vielleicht ist es Altersmilde, dass ganze sieben der 15 Stücke Balladen sind. So wie „Tell Me“ mit seinen überladenen Chören schaffen es leider auch andere nicht ganz an der Schwülstigkeit vorbei.

Text: Nadine Kleber

tip-Bewertung: Annehmbar

Aerosmith, Music From Another Dimension (Sony Music)

 

Patrick Wolf: Sundark & RiverlightKatharsis
Wenn Patrick Wolfs Alben, die in ihrer Vielseitigkeit von Folk bis Elektro-Pop reichen, eines gemeinsam haben, dann ist es ihr Hang zur Überproduktion. Anlässlich seines 10-jährigen Überlebens im Musikbusiness hat der Multiinstrumentalist nun 16 alte Songs von jeglichem digitalen Schnickschnack befreit, um ihren nackten Kern freizulegen. Die akustische Konversion gelingt jedoch nicht immer. Ursprünglich pompöse Hymnen wie „Bermondsey“ oder „Oblivion“ kommen in analoger Form – trotz gewaltigem Orchesteraufgebot – wie  blasse Demoversionen daher. Songs des Debüts „Lycantrophy“ hingegen („Overture“, „Paris“) steht das klanglich reduzierte Gewand um einiges besser. Ihre Arrangements wirken nun geradlinig und weniger entrückt.

Text: Henrike Möller

tip-Bewertung: Annehmbar

Patrick Wolf, Sundark & Riverlight (Bloddy Chamber Music / ALIVE)

Mehr über Cookies erfahren