Konzerte & Party

Musik für jeden Geschmack

Ruth Wilhelmine Meyer & Helge Lien: MemnonNationales Kulturerbe
Auf dem schwer zugänglichen Duoalbum nähern sich Jazzpianist Helge Lien (Moscow Art Trio) und die unerschrockene Stimmenforscherin Ruth Wilhelmine Meyer klanglich dem Bühnenwerk ihres großen Landsmannes Henrik Ibsen. Allerdings vertonen die Norweger nicht, wie man erwarten könnte, Texte aus dessen Gesellschaftsdramen, vielmehr por­trätieren sie in nonverbalen Psychogrammen zwischen experimentellem Jazz und Kunstlied einige seiner bekanntesten Theaterfiguren. Sie finden verstörende Klänge fürs Drama der kleinen Hedvig aus „Die Wildente“, schildern beklemmend ernst die Gefühlswelt der unglücklich verheirateten Hedda Gabler, geben dem Lügengeflecht von Bauernsohn Peer Gynt die passende tonale Gestalt. Abstrakte bis kakofone Klangvermessungen für Hörer, die was aushalten können.

Text: Harald Kepler

tip-Bewertung: Annehmbar

Ruth Wilhelmine Meyer & Helge Lien, Memnon (Ozella Music / Galileo MC)

 

FaltyDL: HardcourageGrooves ohne Hektik
Drew Cyrus Lustman will sich nicht mehr an eine Untergruppe binden, von denen es in der Dance-Music so viele gibt. Man ordnet ihn gemeinhin zwischen Garage und House ein, aber es reicht nicht, wenn man sich zur Beschreibung dieses Albums auf diese Begriffe beschränkt. Es beginnt mit einem einladenden Electro-Loop. Danach nutzt Sänger Ed Macfarlane von Friendly Fires seinen Gastauftritt zum verträumten Ausflug über die minimalen Beats des New Yorker Produzenten. In „Straight And Arrow“, der ersten Single, baut Lustman Fetzen von Soul-Gesängen ein, was von der Methodik her an Moodymann erinnert. Egal, welchen Schwerpunkt er auch gerade wählt: Die Tracks machen einen angenehm unaufgeregten Eindruck, touchieren manchmal sogar das Ambient-Terrain. Es ist ideale Kopfhörer- und Nachtmusik.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

FaltyDL, Hardcourage (Ninja Tune / Rough Trade)

 

Kyla La Grange: AshesWildes Fräulein
Eine Frau mit großer Stimme, aufgebauschtem Sound und einer Persönlichkeit, die in Richtung Märchenwelt-Freak geht, hat in der britischen Musikszene derzeit alle Chancen. Die Narrenfreiheit, die sich daraus ergibt, nutzt Kyla weidlich aus. In vielen Songs tauchen Gesänge und Trommelpassagen auf, die man von Liederabenden und mystischen Tänzen reisender Kommunen kennt. Kommen bohrende Gitarren wie im Post-Punk hinzu, entsteht ein bedrohliches Szenario. Spannend wird es auch, wenn die Newcomerin Zurückhaltung walten lässt. Der akustische Folk-Anteil in „Vampire Smile“ tut gut, die geheimnisvoll verschlungenen Wege in „To Be Torn“ kennt man von Kate Bush und die elektronischen Beats sind in „Lambs“ nicht fehl am Platz.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

Kyla La Grange, Ashes (Ioki Records / Sony Music)

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