Konzerte & Party

Musik für jeden Geschmack

Max Herre: MTV Unplugged Kahedi Radio ShowZurück im Freundeskreis
Nachdem zu befürchten stand, dass Max Herre ob seiner Funktion als Castingshow-Juror im Mainstream-Pop versinkt, beweist er mit einem fulminanten MTV Unplugged im Stil einer Radioshow das Gegenteil. Eine Reminiszenz an seine Zeit mit Freundeskreis, aufgenommen im Funkhaus Berlin, die er mit Wegbegleitern seines Singer-Songwriter-Ausflugs verbindet. So kommt nicht nur die Esperanto-Familie um Afrob, Gentleman und Joy Denalane zurück, auch Philipp Poisel und Sophie Hunger singen mit. Ein gelungenes Gesamtkonzept, das zwischen HipHop, Soul und Pop changiert und seine Ankündigung „Rap ist, wenn du’s wieder fühlst, als wär’s 99!“ wahrmacht. Genauso fühlt man sich: wie auf einem Freundeskreis-Konzert vor fast 15 Jahren.

Text: Lea-Maria Brinkschulte

tip-Bewertung: Hörenswert (5/6)

Max Herre, MTV Unplugged Kahedi Radio Show (Nesola/Universal)

 

Stephen Malkmus & The Jicks: Wig Out at JagbagsMuster an Beständigkeit
Der ehemalige Pavement-Sänger hat sein Berlin-Jahr zwar genossen und einige elektronische Musiker live gesehen, aber zu einer Richtungsänderung hat der Aufenthalt dann doch nicht geführt. Viel von dem, was man schon immer mit diesem Musiker assoziiert, bekommt man auch hier zu hören und zu lesen. Das fängt beim Albumtitel an, der in etwa mit „Ausraster bei Vollidioten“ zu übersetzen ist. Malkmus ist ein großartiger Geschichtenerzähler, der ohne Sottisen und Stilblüten nicht leben kann. An seinem Gitarrenspiel merkt man, dass er immer noch jemand ist, der kratzen und beißen will. Mal klingt es hart wie im Punk, mal barock wie im Prog-Rock. Für Abwechslung sorgt der Slacker-Soft-Rock in „J Smoov“. Da denkt man sofort an den goldenen Oldie „Range Life“.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert (5/6)

Stephen Malkmus & The Jicks, Wig Out at Jagbags (Domino)

 

Marteria: Zum Glück in die Zukunft IIPioniersplatte
Marteria und Casper sind sich scheinbar einig: HipHop muss nicht weiterentwickelt, sondern neu gedacht werden. „‚Evolution‘ wird mit ‚R‘ geschrieben“, heißt es im Track „Bengalische Tiger“. Marteria sei Dank wissen wir nun, dass ein solcher Relaunch auch abseits von berappten Stadionrock-Hymnen möglich ist. Man engagiere einfach das Produzentenwunder The Krauts. Über den schneidigen Beats tingeln sich diesmal neben Electro-, Dancehall-, Grime– und Dubstep-Elementen auch Soul- und Jazz-Anleihen. Die digitale Soundbasis wird hierfür durch Klavier, E-Gitarre und Saxofon ergänzt. Dementsprechend breit ist das Vibe-Spektrum: mal lässig, mal nachdenklich, mal angriffslustig. Auch textlich brilliert die Platte: Marteria beherrscht das geistreiche Phrasendreschen wie kein anderer.

Text: Henrike Möller

tip-Bewertung: Hörenswert (5/6)

Marteria, Zum Glück in die Zukunft II (Sony/Four Music)

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