Konzerte & Party

Musik für jeden Geschmack

Knorkator: We Want MohrStolperstein
Knorkator stolpern mit ihrem neuen Album über die eigene Qualität in der Vergangenheit. Wo die Berliner zuvor nicht nur mit Leichtigkeit und musikalischer Raffinesse, sondern auch mit allerlei Überraschungseffekten bestachen, wo man keinen Moment vor musikalischen Wendungen, derbem Humor und Wortwitz sicher war, wartet man nun vergeblich auf Verblüffung. Im Gegenteil trifft man nun auf Songideen, die mit schier endlosen Aufzählungen gleich für zwei Stücke herhalten müssen („Zoo“ und „Fortschritt“). Und auch von Hoffmanns „Struwwelpeter“ wurden flugs drei Stücke vertont. Von gefühlvollem Piano und schwermütigen Bläsern über massive Metal-Riffs bis zu schwungvollen Streichern fahren Knorkator gewohnt reichlich auf. Der Funke vermag jedoch nur selten überzuspringen.

Text: Nadine Kleber

tip-Bewertung: Zwiespältig (3/6)

Knorkator, We Want Mohr (Tubareckorz/Rough Trade)

 

Miss PlatnumNeu erfunden
Genie oder Wahnsinn? Eine sonnige Soul-Nummer wird abrupt durch Marsimoto-Rap unterbrochen, nur um sich dann zu einer pompösen, Soundtrack-artigen Rockballade mit ellenlangen Gitarren-Soli zu wandeln. Im Track „Frau Berg“ trifft Chanson-Gesang а la Knef erst auf Minimal-, dann auf Classic-Rock, und der melancholische, ruhige Elektro-Soul von „Letzter Tanz“ schlägt plötzlich in eine abgespacete, ekstatische Balkan-Nummer über. Miss Platnums neues, rein deutschsprachig gehaltenes Album ist erfreulicherweise kein Easy Listening. Es ist eine ambitionierte und trotz elektronischer Basis stilistisch enorm vielfältige Platte mit einer emotionalen Tiefe, die man von der Sängerin so bisher nicht kannte.

Text: Henrike Möller

tip-Bewertung: Hörenswert (5/6)

Miss Platnum, Glück und Benzin (Four Music/Sony)

 

Sheryl Crow: Feels Like Home… goes Country
Will sie sagen, dass Nashville schon immer ihre wahre Heimat war? So country war sie noch nie, auch wenn ihre typischen Shufflerock- und Folkpoptricks nicht fehlen. „We Oughta Be Drinkin’“ hätte prima aufs 93er-Debüt gepasst. Mit Brad Paisley, Zac Brown, Ashley Monroe und Vince Gill ist hier viel Nashville-Prominenz zu Gast. Im bewährten Mix von kräftigem Up-Tempo-Power-Country-Rock und balladeskem Folkpop fehlen weder Lap Steel, Dobro noch üppige Streicher, was nicht gerade rootsy-bluegrassy gerät, aber eben auch kein Plastikbombast ist. Allzu traditionell sind jedoch ihre Storys von verratener Single-Ma, Hausfrauenunglück und Leben ohne Rücksicht, in „Crazy Ain’t Original“ attackiert sie Kontrollverlust ebenso wie Banker und Schönheits-OPs, da lacht das Spießertum und bestätigt mal wieder alle Vorurteile.

Text: Christine Heise

tip-Bewertung: Annehmbar (4/6)

Sheryl Crow, Feels Like Home (Warner Music Nashville)

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