Konzerte & Party

Musik für jeden Geschmack

Planningtorock: All Love's LegalMission erfüllt
Mit androgyn herabgepitchtem Gesang und einem Erscheinungsbild als Kunstgeschöpf hat Janine Ronston alias Planningtorock das ironische Spiel um Gender-Rollen zum Grundprinzip erhoben. Auf ihrem dritten Album lässt sich die in Berlin lebende Britin offenbar von Funkadelics Agitpop-Motto „Free your mind and your ass will follow“ leiten und verkuppelt queerpolitische Slogans mit elektronischen, teils fröhlich discoseligen Takten. „Let’s Talk About Gender, Baby“ etwa verbreitet schicken minimalistischen Gothic-Synth-Glamour, „All Love’s Legal“ setzt zuvor ein feierliches Mission-Statement zu Moby-ähnlichem Chillpop mit Ronstons faszinierendem Vocoder-Soulgesang. Ein Dance-Trip für die Nachdenklichen auf der Party.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Hörenswert (5/6)

Planningstorock, All Love’s Legal (Human Level/Rough Trade)

 

Dum Dum Girls: Too TrueNeues Selbstbewusstsein
Wenn man nur nach dem Cover geht, könnte der Gedanke aufkommen, Sängerin Dee Dee habe sich in den Gothic-Stil verguckt. Die Musik klingt dann aber sehr hell und klar. Viel ausgereifter als auf den bisherigen Alben der Band, als sich alles um schrägen New Wave und lauten Noise-Pop drehte. „I’ve never been more satisfied“, singt sie in „Too True To Be Good“. Die Zufriedenheit kann man nur teilen. Früher neigte die Kalifornierin sehr zur Coolness, jetzt stellt sie die Qualität der Songs in den Vordergrund. Man fühlt sich an Zeiten erinnert, als Blondie, die Pretenders, Go-Go’s oder Primitives den Pop bereicherten. Diese Parallele ist kein Zufall. Produzent Richard Gottehrer hatte früher mit einigen dieser Bands zu tun und Helfer Sune Rose Wagner (Raveonettes) kennt sich in diesem Metier auch bestens aus.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert (5/6)

Dum Dum Girls, Too True (Sub Pop/Cargo)

 

Augustines: AugustinesHochgefühle
Das Debüt der Brooklyner (vormals We Are Augustines) glich einer songgewordenen Katharsis, gehoben aus den Seelentiefen von Bandkopf Billy McCarthy, der seine traumatische Vergangenheit verarbeitete. Ihr Nachfolgewerk ist wiederum eine direkte Reflexion des Befindens der Band. Die ist seither auf den Bühnen der Welt aufgeblüht. Die Songs münden in arenenweiten Refrains, teils umrankt von Jubelchören, wie man sie mit U2 oder The Killers verbindet. Etwas zu sehr geht Raukehle McCarthy in seiner messianischen Bono-Verkörperung auf. So bewegt sich das sympathische Trio derzeit allzu einförmig auf Hymnenkurs.

Text: Ulrike Rechel

tip-Bewertung: Zwiespältig (3/6)

Augustines, Augustines (Votiv/Caroline)

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