Konzerte & Party

Musik für jeden Geschmack

The Decemberists Wieder kompakter
Colin Meloy hat sich abreagiert, wie es scheint. Nach dem Prog-Versuch „The Crane Wife“ und der siebzehnteiligen Suite „The Hazards Of Love“ kehrt der Mann aus Portland, Oregon mit seinen Decemberists wieder zu den Ursprüngen zurück. Die Stücke sind normal lang, zugänglich und von britisch geprägtem Folk beeinflusst, der bei Bedarf durch Country-Versatzstücke ersetzt wird. „Calamity Song“ und „Down By The Water“ erinnern an Zeiten, als sich R.E.M. zum ersten Mal aus der schüchternen Ecke hervorwagten. Besonders gut kann man sich zurzeit in die „January Hymn“ einfühlen, es ist eine melancholische Ballade über die verschneite Winterlandschaft. Im Sommer funktioniert das Album auch, dafür sorgt das Gegenstück, die optimistischere „June Hymn“.

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

The Decemberists, The King Is Dead (Rough Trade/Indigo)

 


H.I.M. Unhörbar
Jeder hat mal einen schlechten Tag, doch Ville Valo muss einen besonders rabenschwarzen erwischt haben, als ihm die Idee zu diesem Remix Album kam. Was soll das sein? Innovativ? Es fiept und zischt an allen Ecken, jede Songstruktur fiel einem Säurebad der Effekte zum Opfer, und über die gesamte Laufzeit bleibt der Eindruck, dass die Samples hier per Zufallsgenerator aneinandergereiht wurden. Eigentlich seltsam bei den namhaften Remixern von Tiësto über Huoratron bis hin zu Gavin Russom, die für „His Infernal Majesty“ die Regler bedient haben, doch am Ende bleiben elf Songs in neuem Gewand, und jeder einzelne ist eine echte Beleidigung für die Ohren.

Text: Martin Zeising

tip-Bewertung: Ärgerlich

H.I.M., SWRMXS (Sire / Warner)

 


Ryan Adams Ausgemistet
„Hello, it‘s me again“, lauten die ersten Worte, wir hatten schon Sorge. Vor allem hätten wir was verpasst: ein Doppelalbum mit 21 glasklaren Songs in der Tradition von Big Star und The Replacements, rockig, melodiös, leidenschaftlich. Und – anders als sein Rockalbum von 2003 – ganz unprätentiös. Die begleitenden Cardinals erweisen sich nicht nur als grundsolide, sondern auch innovativ und einfallsreich, vibrierende Staccato Riffs lassen vergessen, dass nicht eine einzige Pedalsteel aufjaulen darf. Große Country-Songs sucht man vergebens. Adams Stammlabel wollte von all dem nichts wissen, vielleicht auch weil alle Songs aus den „Easy-Tiger“-Sessions von 2007 stammen; Pech für sie, denn die Spielfreude ist rundum überzeugend.

Text: Christine Heise

tip-Bewertung: Hörenswert

Ryan Adams, III / IV (Paxam Records)

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